Hafen von Santos: Schlüsselkorridor für Kokain auf dem Weg nach Europa

Luftbild von Santos

Luftbild von Santos im Bundesstaat São Paulo. Bild: © Agencia CNT de Noticias [CC BY 2.0] - Flickr

Brasilianische Sicherheitskräfte haben im Hafen der in der Nähe von São Paulo gelegenen Stadt Santos mehr als zwei Tonnen Kokain sichergestellt – ein neuer Rekordwert. Die Drogen wurden an einem Containerterminal am Kai in Guaruja, einer Gemeinde, die etwa 10 Kilometer westlich von Santos liegt, gefunden. Sie waren in drei Containern versteckt, die Kaffee, Zucker und Soja transportierten und auf ein Schiff namens Cap San Marco geladen werden sollten, welches unter anderem in den Häfen in Hamburg, Le Havre und Algeciras einläuft. Laut Globo soll nun eine Ermittlung der Behörden die am Schmuggelversuch beteiligten Personen und Drahtzieher identifizieren.1

Brasilien ist für den Kokainhandel ein wichtiges Transit- und Zielland zugleich. Der südamerikanische Staat ist nach den USA der zweitgrößte Konsument des weißen Pulvers weltweit, zudem ist er ein Schlüsselareal für Kokain auf dem Weg nach Europa. Im Land selbst wird kaum Koka angebaut und zum Endprodukt Kokain weiterverarbeitet. Das weiße Pulver wird aus dem angrenzenden Peru, Bolivien und vor allem Kolumbien importiert. Den brasilianischen Behörden fällt es dabei äußerst schwer, die Einfuhr des Kokains einzuschränken. Brasiliens Grenze zu seinen Nachbarstaaten hat eine Gesamtlänge von fast 10.000 Kilometern. Das ergibt ein enormes Grenzgebiet, welches vor allem in den Gebieten des Amazonas-Regenwalds sehr durchlässig und kaum zu überwachen ist.123

Der Großteil des für die Absatzmärkte in Europa, Afrika und Asien bestimmten Kokains wird von Brasilien aus verschifft. Santos ist als Standort für den Schmuggel der Droge geradezu ideal. Der Hafen in der Stadt mit 400.000 Einwohnern ist der größte Brasiliens und nach Warenumschlag der verkehrsreichste und wichtigste Containerhafen Lateinamerikas. Etwa ein Drittel des gesamten brasilianischen Handels wird über ihn abgewickelt. Von São Paulo, immerhin der zehntgrößten Metropolregion der Welt, ist er nur etwa 70 Kilometer weit entfernt. Laut einer aus dem Jahr 2015 stammenden Dokumentation des Guardian wird 80 Prozent des Kokains, das in Europa ankommt, von Santos aus verschifft.456

Die Rekordbeschlagnahmung im Hafen folgt nur wenige Wochen auf eine Operation, bei der Sicherheitskräfte eine Ladung von 355 Kilogramm Kokain, die ebenfalls für Hamburg bestimmt war, hoch nehmen konnten. Der alte Spitzenwert stammte aus dem Jahr 2016, als 1,5 Tonnen des Rauschmittels auf dem Weg nach Antwerpen sichergestellt werden konnten. Allein im gesamten letzten Jahr konnten stolze elf Tonnen Kokain im Hafen von Santos beschlagnahmt werden.5

Dass es in Santos immer wieder zu solch enormen Funden kommt, hängt auch damit zusammen, dass es in Kolumbien bei der Kokainproduktion einen regelrechten Boom gibt, wodurch auch größere Mengen des weißen Pulvers Europa erreichen. In der Alten Welt registrieren die Behörden und Sicherheitskräfte seit einigen Jahren einen sprunghaften Anstieg der Kokainbeschlagnahmungen – auch Deutschland ist betroffen. Zoll und Polizei haben hierzulande im letzten Jahr so viel Kokain sichergestellt wie nie zuvor – im Gegensatz zum Vorjahr verdreifachte sich der Wert.78

  1. Business Insider: Latin America’s biggest port just made its largest cocaine seizure ever – the latest bust in a thriving drug-trafficking corridor; Artikel vom 24.03.18 [] []
  2. InSight Crime: Brazil Is Top Cocaine Transshipment Country for Europe, Africa, Asia; Artikel vom 24.06.16 []
  3. United States Department of State: International Narcotics Control Strategy Report – Volume 1; veröffentlicht im März 2018 []
  4. InSight Crime: Brazil Is Top Cocaine Transshipment Country for Europe, Africa, Asia; Artikel vom 24.06.16 []
  5. Business Insider: Latin America’s biggest port just made its largest cocaine seizure ever – the latest bust in a thriving drug-trafficking corridor; Artikel vom 24.03.18 [] []
  6. Wikipedia: Hafen von Santos; Stand 06.04.18 []
  7. InSight Crime: European Cocaine Seizures Hint at New Possibilities for Colombia Traffickers; Artikel vom 19.01.18 []
  8. Handelsblatt: Kokain-Produzenten überschwemmen europäischen Markt; Artikel vom 27.12.17 []

Über David / earthlink

Ich bin David und habe dieses Jahr mein Abi gemacht. Als Bundesfreiwilliger möchte ich mich jetzt für die nächsten Monate bei earthlink engagieren und mehr über entwicklungspolitische Themen erfahren.
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