„Letzter der Cocaine Cowboys“ in Miami zu mehr als elf Jahren Haft verurteilt

Cocaine Cowboys

Die "Cocaine Cowboys" - jene berüchtigten Drogenhändler, die während der „Miami Vice-Ära“ in den 1970er und 1980er Jahren das Kokain der kolumbianischen Kartelle in Florida verkauften. | Bild: © duncan c [CC BY-NC 2.0] - flickr

Mitte April wurde mit Gustavo „Taby“ Falcon „der letzte der Cocaine Cowboys“ in Miami zu mehr als elf Jahren Haft verurteilt. Der Kubaner, der im Kindesalter mit seiner Familie in die USA emigrierte, war zusammen mit seinem älteren Bruder Augusto Guilllermo „Willie“ Falcon Teil jener berüchtigten Drogenhändler, die während der „Miami Vice-Ära“ in den 1970er und 1980er Jahren das Kokain der kolumbianischen Kartelle in Florida verkauften.  Gustavo war bereits letztes Jahr im April in der Stadt Kissimmee südlich von Orlando gefasst worden. Zuvor hatte er sich 26 Jahre auf der Flucht befunden.123

Im Februar war schließlich vor einem US-Bundesgericht Anklage gegen ihn erhoben worden, Falcón bekannte sich schuldig. Verurteilt wurde er letztendlich wegen zwei Kokainlieferungen im Umfang von 400 Kilogramm beziehungsweise drei Tonnen in den Jahren 1989 und 1991, deren Transport und Lagerung er organisierte. Doch das war, wie auch der Staatsanwalt Christopher Clark, der den Fall vor Gericht verhandelte, sagt, nur die Spitze des Eisbergs.43

In einer Zeit, in der zwei Drittel aller Kokainlieferungen die USA über Florida erreichten, war Gustavo Falcon Teil einer kriminellen Gruppe, an deren Spitze neben seinem Bruder Augusto auch der ebenfalls in Kuba geborene Salvador Magluta stand. Auf den Bahamas erwarben sie das Kokain des Medellín- und des Cali-Kartells und vertrieben es anschließend in Miami und anderen Teilen Südfloridas. Von 1978 bis 1991 sollen sie 75 Tonnen der Droge im Wert von zwei Milliarden Dollar verkauft haben. Die Gruppe machte wohl jedes Jahr einen Umsatz im mittleren achtstelligen Bereich.546738

Wegen ihrer illegalen Aktivitäten wurde 1991 bereits einmal Anklage gegen die drei Kubaner erhoben. Während Gustavo sich einem Prozess durch seine Flucht vor den Behörden entziehen konnte, mussten sich sein Bruder und Magluta vor Gericht verantworten. Nach einem langwierigen Verfahren wurden sie 1996 allerdings überraschend freigesprochen. Fünf Jahre später wurden beide dann aber erneut angeklagt, unter anderem weil aufgedeckt wurde, dass sie während ihres ersten Prozesses drei Mitglieder der Jury bestochen hatten. Magluta wurde zu einer Haftstrafe von 205 Jahren verurteilt, gegen Augusto Falcon wurden, nachdem er sich schuldig bekannte, 20 Jahre Haft verhängt. 437

Letztes Jahr im Juni wurde Falcon dann vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen. Allerdings nahmen ihn umgehend nach seiner Freilassung US-Einwanderungsbehörden in Gewahrsam. Als verurteilter Straftäter ohne US-Staatsbürgerschaft wurde ein Verfahren gegen ihn eingeleitet, an dessen Ende seine Abschiebung nach Kuba stehen soll. Falcon geht seitdem gerichtlich gegen die drohende Ausweisung in sein Heimatland vor. Seine Anwälte argumentieren, dass ihm bei einer Rückkehr nach Kuba ernste Gefahr drohe. Auch sein persönliches Umfeld befürchtet, dass er dort als „Todfeind“ empfangen werden könnte.47

Denn die Falcon-Magluta-Organisation unterstützte mit ihren Einnahmen aus dem Kokainverkauf in den 1990ern aus Exilkubanern bestehende paramilitärische Gruppen, die die Ermordung Fidel Castros planten. Sie bezahlten Waffen und Ausrüstungsgegenstände und finanzierten Trainingscamps in den Everglades. Pikant ist dabei, dass sie mit solchen Gruppen zusammenarbeiteten, die zu jener Zeit auch von der CIA, die bekanntlich seit der kubanischen Revolution 1959 versuchte, Castro von der Bildfläche verschwinden zu lassen, subventioniert wurden.4910

Falcons Anwälte berufen sich auf den in der Antifolterkonvention der Vereinten Nationen verankerten Grundsatz der Nichtzurückweisung. Dieser verbietet die Rückführung von Personen in Staaten, in denen ihnen Folter oder andere schwere Menschenrechtsverletzungen drohen. Es sei wegen seiner Vergangenheit sehr wahrscheinlich, dass sich die kubanische Regierung Falcon vornehmen werde. Ein Richter wies den Einwand der Anwälte jedoch zurück und machte die Bahn für Falcons Abschiebung frei. Das bedeutet allerdings nicht, dass der Kubaner in unmittelbarer Zukunft in sein Heimatland zurückgeführt wird. Seine Anwälte planen, Berufung einzulegen und sich, wenn nötig, auch an höhere Instanzen zu wenden.711

  1. InSight Crime: After Working With CIA, Old-School ‚Cocaine Cowboys‘ Face US Justice; Artikel vom 26.04.18 []
  2. CNN: ‚Last of the Cocaine Cowboys‘ arrested after 26 years on the lam; Artikel vom 13.04.17 []
  3. Miami Herald: Once a fugitive, Gustavo Falcon imprisoned 11 years for past as ‚Cocaine Cowboy‘; Artikel vom 24.04.18 [] [] [] []
  4. InSight Crime: After Working With CIA, Old-School ‚Cocaine Cowboys‘ Face US Justice; Artikel vom 26.04.18 [] [] [] [] []
  5. Miami Herald: Miami Vice reflected Miami’s truth; Artikel vom 28.09.14 []
  6. New York Daily News: How the Cocaine Cowboys built a drug empire that helped inspire ‚Miami Vice‘; Artikel vom 13.04.17 []
  7. Miami Herald: Cocaine cowboy Willie Falcon loses bid to block deportation to Cuba; Artikel vom 02.04.18 [] [] [] []
  8. United States Department of Justice: Gustavo Falcon Pleads Guilty to Conspiracy to Possess With Intent to Distribute and to Distribute Cocaine; veröffentlicht am 01.02.18 []
  9. Miami Herald: Cocaine Cowboy Willie Falcon loses bid to block deportation to Cuba; Artikel vom 02.04.18 []
  10. The Guardian: Close but no cigar: how America failed to kill Fidel Castro; Artikel vom 26.11.16 []
  11. Wikipedia: Grundsatz der Nichtzurückweisung; Stand 11.05.18 []

Über David / earthlink

Ich bin David und habe dieses Jahr mein Abi gemacht. Als Bundesfreiwilliger möchte ich mich jetzt für die nächsten Monate bei earthlink engagieren und mehr über entwicklungspolitische Themen erfahren.
Dieser Beitrag wurde unter Internationales abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.