Die Gewalt in Medellín flammt wieder auf

Sicht auf Medellín von der berüchtigten Komune 13 aus | Bild: © Armando Reques [(CC BY-SA 2.0) ] - flickr

Das milde Klima, die schöne Lage zwischen grünbewachsenen Bergen, das Blumenfest im August, die roten Freiluftrolltreppen, Botero-Skulpturen, Salsa und Tango  – In den vergangenen Jahren hat sich Medellín von einer der gefährlichsten Städte der Welt und dem Zentrum des Medellín-Kartells unter Pablo Escobar zu einem Touristenmagneten gewandelt. Mittlerweile kommen jedes Jahr rund 600.000 internationale Besucher in die angesagte und innovative Stadt.1

Doch das könnte sich schnell wieder ändern. Denn seit April nimmt die Gewalt im Nordwesten der Stadt, vor allem  in der berüchtigten Kommune 13, die früher besonders unter den blutigen Auseinandersetzungen zwischen Drogenbanden, Guerillas und dem Militär zu leiden hatte, und der Kommune Robledo erneut zu. So stieg die Zahl der Morde an, es kommt immer wieder zu Schusswechseln und ein Taxi sowie ein Bus gingen in Flammen auf. Auch wenn die Gewalt nie ganz verschwunden war und kriminelle Banden weiterhin manche Nachbarschaften beherrschten, tritt sie jetzt wieder offener und stärker zu Tage. Die Behörden reagierten darauf – wie so oft –  mit verschärften Sicherheitsmaßnahmen. Sie sendeten 1000 zusätzliche Sicherheitskräfte in die betroffenen Stadtviertel und intensivierten die Verfolgung der organisierten Kriminalität.

Für diesen erneuten Anstieg der Gewalt zeigen sich Verbrecherbanden verantwortlich, welche laut der kolumbianischen Staatsanwaltschaft als Antwort auf die Verhaftung mehrerer ihrer Anführer Terror erzeugen und somit die Stadt destabilisieren wollen.2 Diese Verhaftungen haben außerdem ein Machvakuum in Medellín zurückgelassen, was zu einem Wiederaufflammen alter Rivalitäten und der Kämpfe um Einflussgebiete innerhalb und zwischen den Gruppen führte. Hier ist insbesondere das Netzwerk „La Oficina de Envigado“ zu nennen, in dem es nach der Festnahme von drei der fünf Anführer nun zu internen Spaltungen und Streitigkeiten zwischen verschiedenen lokalen, von „La Oficina“ unterstützten Gruppen, kam. Diese kämpfen nun um die Kontrolle über die für ihre Finanzierung wichtigen Strukturen. So verdienen sie ihr Geld insbesondere mit Drogenhandel und Erpressung.3 Nicht bestätigten Gerüchten zufolge sollen auch größere Akteure wie das Drogenkartell „ Los Urabeños“ und Dissidentengruppen der FARC in die Streitigkeiten verwickelt sein.

Auch wenn das verstärkte militärische und polizeiliche Vorgehen bereits erste Erfolge gezeigt hat und mehrerer Chefs krimineller Gruppen verhaftet werden konnten – darunter beispielsweise „Juancito“, der als Hauptinitiator für die Welle der Gewalt gilt – befürchten Kritiker, dass die Strategie nach hinten losgehen könnte und die Gewalt sowie die Unsicherheit nur noch mehr angefacht würden.2

Für die Bewohner Medellíns bleibt zu hoffen, dass der erneuten Gewaltspirale ein Ende gesetzt werden kann. Denn sie können sich noch zu gut an den Schrecken und Terror erinnern, den die verschiedenen Drogenkartelle, Guerillas und paramilitärischen Gruppen vor allem in der Zeit nach Escobar in Medellín verbreiteten und litten ebenso unter den militärischen Interventionen des Staates. Nur als Beispiel sei hier die „Operación Orión“ zu nennen, mit der die Behörden die Stadt zwar gewaltsam befriedeten, in deren Zuge das Militär aber auch Menschenrechtsverletzungen beging und Zivilisten ermordet wurden oder verschwanden.4 Und auch mit dem Aufschwung im Tourismus, der sich zu einem wichtigen Wirtschaftszweig entwickelt, könnte es durch einen erneuten Anstieg der Gewalt bald wieder vorbei sein.

  1. Deutschlandfunk: Touristen statt Drogen; Stand: 09.05.2018 []
  2. Insight Crime: As Medellín violence spikes, security Force response raises worries; Stand: 09.05.2018 [] []
  3. El Espectador: Por qué no cesa la violencia en la Comuna 13 de Medellín?; Stand: 09.05.2018 []
  4. Die Zeit: Hier gibt es sehr wohl Liebe; Stand: 09.05.2018 []

Über Veronica / earthlink

Hallo, ich heiße Veronica und studiere im 7. Semester Deutsch-Französische Politikwissenschaft an der Universität Eichstätt-Ingolstadt. Ich interessiere mich sehr für den Bereich Entwicklungszusammenarbeit und freue mich deshalb, mit meinem Praktikum bei earthlink e.V. einen Einblick in die praktische Arbeit einer entwicklungspolitischen NGO bekommen zu können.
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