Kolumbien: Trotz Frieden keine Lösung des Kokainproblems in Sicht

Symbolbild: Beschlagnahmtes Kokain, das schon für den weiteren Transport fertig gemacht wurde. Bild: © Public Domain work of a US Federal Agency [Public Domain] - Wikimedia Commons

Vergangenen Monat konnte eine Spezialtruppe der kolumbianischen Marine mehr als eine Tonne Kokain im Departamento Narino sicherstellen. Die Substanz war in insgesamt 51 Jutesäcke verpackt und unterirdisch gelagert. Das Kokain hatte einen Marktwert von ca. 37 Millionen US-Dollar. Es sei eine gängige Praxis der Drogenhändler, das weiße Pulver unter der Erde zu verstecken, so Leutnant Salgado gegenüber der Zeitung Diálogo. „Wenn die Flut kommt, stehen die Drogen unter Wasser, der beste Weg sie zu verstecken sind wasserdichte Verpackungen, die man in den Boden eingräbt.“1

Das Departamento Narino ist die Region Kolumbiens, die am meisten vom Drogenhandel betroffen ist. 2017 konfiszierten kolumbianische Behörden dort 115 Tonnen Kokain, knapp 64 Prozent der gesamten Beschlagnahmungen in diesem Zeitraum im Andenstaat. Zudem ist es das Gebiet, in dem immer noch die meisten Guerilla-Aktivitäten stattfinden. Dissidenten der FARC, die kolumbianische Befreiungsarmee ELN sowie etliche andere kriminelle Gruppen nutzen die Region, um Kokain und dessen chemische Vorprodukte zu horten. Gleichzeitig werden dort Drogengeschäfte ausgehandelt und Waffen vertrieben. 1

Der Fund zeigt, dass das lateinamerikanische Land noch weit von einer Lösung der Drogenfrage entfernt steht. Obwohl die kolumbianische Regierung 2016 einen historischen Frieden mit der größten Guerilla und dem größten Drogenproduzenten, der FARC, aushandeln konnte, stoßen nun neue Akteure in das von ihr hinterlassene Machtvakuum und reißen die Kokainproduktion an sich. Aber auch frustrierte ehemalige FARC-Mitglieder beteiligen sich nun wieder im großen Stile an der Herstellung von Drogen.2

Neben der kriminellen Energie, die durch die Produktion und den Handel mit Kokain entsteht, birgt die Herstellung der Drogen insbesondere weitreichende ökologische Gefahren für den Andenstaat. Um Koka anbauen zu können, holzen Produzenten den kolumbianischen Regenwald ab und lassen sich dabei nicht von geschützten Nationalparks abschrecken. Bei der Umwandlung von Koka zu Kokain werden giftige Chemikalien freigesetzt, die ungefiltert in Böden und Flüsse sickern. Aber auch die Gegenmaßnahme der Regierung, nämlich das Besprühen der Felder mit Pestiziden, hat unerwünschte verheerende Nebenwirkungen. So zerstören die Pflanzenvernichtungsmittel nicht nur die Kokapaflanzen, sondern auch jegliche sonstige Vegetation. In vielen Fällen macht der Einsatz der Chemikalien die betroffenen Böden für Generationen unfruchtbar.3

Auch der Rückzug der FARC-Rebellen aus dem Kokaingeschäft im Rahmen des Friedensabkommens zieht nun ungeahnte negative Folgen für Kolumbiens Umwelt nach sich. Obwohl die Guerilla für Teile der Umweltzerstörung selbst verantwortlich war, war sie in vielen Regionen gleichzeitig der einzige Regulierungsmechanismus für die Bodennutzung im Regenwald. Sie entwickelte sogenannte „Regeln des Zusammenlebens“ für die Bauerngemeinschaften in den besetzten Gebieten. Diese Vorschriften reichten von der Lösung häuslicher Dispute bis hin zu Richtlinien im Umgang mit der Umwelt.4

„Die FARC sorgte für die Einhaltung von Regeln bezüglich der Menge an Regenwald, die Bauern zum Kokaanbau abholzen durften“, so Farit Murcia, ein Gemeinderat in Caquetá, ein kolumbianisches Departamento, das als FARC-Hochburg galt. Über die Jahre habe die FARC versucht, den Bauern die Wichtigkeit der Vegetation zu erklären, so Murcia weiter. “ Sie setzte Obergrenzen für den Fischfang oder das Jagen durch und etablierte sogar ein Regenwald-Reservat (…) obwohl diese Regeln unter den Bauern nicht sehr beliebt waren, wurden sie von ihnen respektiert.“4

Nun, da sich die FARC im Zuge des Friedensprozess aus nahezu allen besetzten Gebieten zurückgezogen hat, findet dort einer zunehmender Raubbau an der Umwelt statt. In Caquetá beispielsweise nahm die Abholzung von Wäldern im Jahr nach der Implementierung des Friedensvertrags um 40 Prozent zu. Da sich die FARC in vielen Fällen in die entlegensten Regionen des Landes – teilweise noch unberührte Natur – zurückgezogen hatte, sind nun einige der ökologische wichtigsten Gebiete von diesen negativen Folgen betroffen.4

  1. Diálogo: Colombia Clamps Down in Narcotrafficking; Artikel vom 21.6.2018 [] []
  2. InSightCrime: Record Cocaine Production Fuels New Criminal Generation; Artikel vom 17.7.2017 []
  3. Mongabay: Cocaine destroying rainforest parks in Colombia; Artikel vom 28.9.2005 []
  4. PRI: In the Colombian Amazon, peace has environmental consequences; Artikel vom 3.5.2018 [] [] []

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