Produktion und Konsum von Kokain, Opium und Cannabis auf historischem Rekordhoch

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Drogen | Bild: © GreatWhiteNorthEh [CC BY-NC-ND 2.0] - flickr

Das Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung hat in seinem Weltdrogenbericht vom Juni 2018 informiert, dass sowohl die Kokain, Opium und Cannabis Produktion als auch der Konsum dieser illegalen Drogen so hoch sind wie noch nie. Sie schließen sich der Meinung anderer internationaler Institutionen an, progressivere Strategien beim Kampf gegen den Drogenanbau und -handel einzuführen.1

Die Drogenproduktion ist zwischen 2013 und 2016 um 76 Prozent gestiegen. Die weltweite Kokainherstellung hat sich in der Folge auf den Höchstwert von geschätzten 1.410 Tonnen erhöht. Vor allem in Asien und Afrika wachsen die illegalen Drogenmärkte immer weiter. Kolumbien allerdings bleibt weiterhin Vorreiter bei der Kultivierung des Rauschmittels. Weltweit wurden im Jahr 2016 213 Hektar Kokainpflanzen angebaut – 70 Prozent davon in Kolumbien. Die Expansion im südamerikanischen Land ist auf verschiedene Faktoren zurückzuführen. Unter anderem die kontinuierlichen Entwicklungen auf dem Absatzmarkt der Drogen und neu angewandte Strategien des Drogenhandels. Kriminelle Gruppen passen sich hier sehr schnell an und werden kreativ. Außerdem aber auch durch den Rückgang extremer Drogenvernichtungsprogramme und der damit einhergehenden Zerstörungsstopp riesiger Kokaplantagen im ganzen Land. Kolumbianische Banden sehen deshalb seit einiger Zeit wieder die Chance, ihre Geschäfte erneut verstärkt abzuwickeln. Dies führte zu einer enormen Zunahme der Produktion. Der Bericht vermutet zudem auch eine Verbindung zwischen dem Anstieg der Kokainproduktion und der sich immer vergrößernden Einnahme von Drogen in den USA. Dort werden weltweit seit Jahrzehnten die meisten Rauschmittel konsumiert. Auch in der Opiumherstellung verzeichnet der Weltdrogenbericht 2018 mit 10.500 Tonnen einen neuen Rekord. Das Zentrum des Opiumanbaus weltweit bleibt Afghanistan. Der Cannabisanbau stieg weltweit sogar um 27 Prozent auf 4.386 Tonnen. Besonders groß war der Anstieg in Nordamerika. Nach Angaben der Experten könne dies vor allem mit der Legalisierung der Droge in vielen US-Bundesstaaten zusammenhängen. (( UNODC: Cocaine and opium production worldwide hit ‚absolute record highs‘ – major threat to public health says UN study; Stand: 29.06.2018 ))

Laut Angaben des UNODC haben im Jahr 2016 rund 275 Millionen Männer und Frauen mindestens einmal illegale Rauschmittel eingenommen – 25 Millionen, rund zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Die weltweit am häufigsten konsumierte Droge ist und bleibt Cannabis: 192 Millionen und damit 16 Prozent mehr Menschen als im Vorjahr greifen laut UN zu dem Rauschmittel. Aber auch der Konsum von Kokain und Opium ist in den letzten Jahren enorm angestiegen. (( UNODC: World Drug Report 2018: opioid crisis, prescription drug abuse expands; cocaine and opium hit record highs; Stand: 29.06.2018 ))

Mit Blick auf die Konsumenten sticht besonders hervor, dass der Drogenkonsum in der Altersgruppe ab 40 gestiegen ist. Dafür, so schlussfolgern die UN-Experten, könnte nicht zuletzt die Babyboomer-Generation verantwortlich sein. In deren Jugend sei der Drogenkonsum höher als bei nachfolgenden Generationen gewesen – und vermutlich konsumierten sie auch weiterhin verschiedene Rauschmittel. In Deutschland wurde insbesondere ein starker Anstieg des Cannabiskonsums unter den 45- bis 64-Jährigen ausgemacht. Zwischen den Geschlechtern stellt die UN große Unterschiede im Umgang mit Drogen fest. Frauen bevorzugen Beruhigungsmittel oder Opioide. Das sind natürliche, aus Opium gewonnene oder (halb)synthetisch hergestellte Arzneimittel mit schmerzlindernden, dämpfenden und beruhigenden Eigenschaften. Männer hingegen nehmen häufiger Cannabis und Kokain. Allerdings machen Frauen nur ein Drittel der Drogenkonsumenten aus.

Im Bericht wird beschrieben, dass Opioide den größten Schaden bei Konsumenten verursachen. Die eigentlich verschreibungspflichtigen Medikamente sind für knapp 76 Prozent aller Drogentoten verantwortlich. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO sterben jährlich 450.000 Menschen durch den Konsum illegaler Drogen, 39 Prozent von ihnen sind älter als 50. Die Vereinten Nationen gehen dabei davon aus, dass mehr als 60 Prozent der Drogentoten nicht an Überdosen, sondern an den indirekten Folgen, also Hepatitis C und HIV sterben. Rund 10,6 Millionen Menschen spritzten sich Rauschmittel und würden dabei durch das Wiederverwenden von Spritzen große Gesundheitsrisiken auf sich nehmen. Mehr als die Hälfte aus der Gruppe lebe mit Hepatitis C, ein Achtel sei HIV-infiziert. (( UNODC: World Drug Report 2018 – Executive Summary, Conclusions and policy implications; Stand: 29.06.2018 ))

Nach jahrzehntelangen internationalen Bemühungen, dem Drogenanbau, -konsum und –handel entgegenzuwirken und ihn weitgehend einzuschränken, ist das Ergebnis erschreckend. Es zeigt sich, dass die bisherigen Strategien keine weitreichende Wirkung entfalten konnten – im Gegenteil: Produktion und Konsum sind im Jahr 2018 auf Rekordhöhe geschnellt. Sie müssen deshalb in Frage gestellt werden und genau das macht das UNODC mit diesem Bericht. Man solle aufhören, den Drogenhandel zu stigmatisieren und diesen mithilfe verschiedener Beweismaterialien anzuprangern. Stattdessen solle man sich darauf konzentrieren, mit der Zeit zu gehen: zeitgemäße Beurteilungen und umfassende Annäherungen durchführen, um das Ausmaß neuer Drogenhandelstrends richtig einzuschätzen und diejenigen Länder zu unterstützen, welche über die nötigen Mittel und Kenntnisse verfügen, um den Kampf gegen die Drogen zu gewinnen. Es ist zudem wichtig, präventive Maßnahmen zu ergreifen: Menschen über mögliche Konsequenzen der Drogeneinnahme informieren oder Therapien anzubieten. (( InSightCrime: UN Report Calls for New Strategies to Curb Growing Global Drug Market; Artikel vom 27.06.2018 ))

  1. Watson: Der weltweite Drogenkonsum ist auf Rekordhoch. Das sind die Zahlen, Artikel vom 26.06.2018 []

Über Kathi / earthlink

Hallo, ich heiße Kathi. Nach meinem 7-monatigen Aufenthalt in Südamerika wurde mein Interesse für den Bereich der Entwicklungszusammenarbeit geweckt. Vor Antritt meines Politikwissenschaftstudiums an der LMU, möchte ich Einblicke in die Arbeit einer NGO gewinnen und freue mich deshalb sehr hier bei earthlink e.V. ein Praktikum zu absolvieren.
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