Philippinen: Präsident Duterte möchte Drogenkrieg intensivieren

Rodrigo Duterte

Rodrigo Duterte | Bild: © Keith Kristoffer Bacongco [CC BY 2.0] - Wikimedia Commons

Trotz vehementer Kritik möchte die philippinische Regierung ihren „Krieg gegen die Drogen“ intensivieren. Dies bekräftige Präsident Duterte vergangene Woche bei seiner Ansprache an die Nation. „Gnadenlos und abschreckend“ soll die Neuausrichtung des Kampfes gegen illegale Rauschmittel sein, so Duterte. Kurz danach stellte der Chef der philippinischen Nationalpolizei (PNP), Oscar Albayalde, klar, dass jedoch nur diejenigen etwas zu befürchten hätten, die in Drogenaktivitäten involviert sind und es das oberste Ziel der Regierung sei, so mehr Sicherheit für die philippinische Bevölkerung zu gewährleisten.1

Insbesondere die PNP geriet seit Beginn des philippinischen Drogenkriegs im Juni 2016 immer wieder in die Kritik. Gemäß Human Rights Watch kam es seither zu zahlreichen willkürlichen Tötungen ohne Gerichtsverfahren. Die Nationalpolizei würde zudem Beweise fälschen, um ihr hartes Vorgehen zu rechtfertigen. Über 12.000 Menschen mußten inzwischen ihr Leben lassen – mindestens 2555 davon werden der PNP zugeschrieben. Bei den Opfern handelt es sich vorwiegend um Menschen aus der verarmten Stadtbevölkerung des Landes. Bereits im Wahlkampf vor seiner Präsidentschaft kündigte Duterte an, er würde Drogenhändler, Taugenichtse und andere Kriminelle töten, sollten sie nicht das Land verlassen.2

Die Philippinen haben vor allem mit einem erhöhten Missbrauch an Methamphetaminen zu kämpfen, denn das Land liegt sehr nahe am wichtigsten Produktionsort für die illegalen Drogen – der Mekong-Region. Im Vergleich zu anderen Substanzen lassen sich Methamphetamine relativ leicht und wenig kostenintensiv in versteckten Laboren herstellen. In den vergangenen Jahren stieg die Zahl der beschlagnahmten Pillen rapide an – und somit auch die Zahl der Konsumenten in der Region und darüber hinaus.3

Noch im September 2016 sprach Duterte von 3 Millionen Drogen-Abhängigen im Land. Obwohl diese Zahl etwas übertrieben scheint und bereits vom Philippine Dangerous Drug Board relativiert und nach unten korrigiert wurde, ist das zunehmende Drogenproblem des Landes nicht von der Hand zu weisen. Was jedoch in Frage gestellt werden muß, ist die Ansicht, die Duterte über die Konsumenten von beispielsweise Methamphetaminen hat. So führe der Missbrauch von Shabu – eine Form von Methamphetamin – zur Verkleinerung des Gehirns und mache Konsumenten somit zu Menschen, die nicht mehr würdig seien, um auf diesem Planeten zu leben. Gemäß Duterte sei die Rehabilitation solcher Menschen somit keine Option.4

Diese weltfremde und menschenverachtende Auffassung des philippinischen Präsidenten erklärt das harte Vorgehen seiner Regierung im Kampf gegen illegale Drogen. Abgesehen von der Tatsache, dass der Drogenkrieg – wie er beispielsweise auch in Kolumbien und Mexiko geführt wird – bisher keine signifikante Verbesserung hervorgebracht hat und der Drogenhandel nach wie vor floriert, ist es äußerst bedenklich, wenn ein Staatsoberhaupt sogar gegen Konsumenten bzw. Abhängige mit Gewalt und Repression vorgeht. Der Missbrauch von illegalen Substanzen wie Methamphetamin muß als soziales Problem verstanden werden, dessen Wurzeln tief in der Gesellschaft liegen. Es ist kein Zufall, dass es gerade die arme, urbane Bevölkerung ist, die am meisten mit dem Missbrauch von Drogen zu kämpfen hat. Armut und Perspektivlosigkeit führen häufig zu Realitätsflucht und Drogenkonsum. Um dieses Problem wirklich lösen zu können, muß die wirtschaftliche Situation dieser Menschen nachhaltig verbessert werden.

  1. Manila Bulletin: PNP recalibrates war on illegal drugs, Artikel vom 30.7.2018 []
  2. Human Rights Watch: Phillipines´“War on Drugs“; Stand: 30.7.2018 []
  3. UNODC: Regional ATS Report 2015; herausgegeben Mai 2015 []
  4. The Conversation: Just how big is the drug problem in the Philippines anyway?; Artikel vom 13.10.2016 []

Über christian / earthlink

Projektmitarbeiter, zuständig für die Entwicklung und Durchführung von Projekten bzw. Kampagnen, Fundraising, Einarbeitung und Betreuung von Praktikanten und ehrenamtlichen Mitarbeitern. Aktuelle Projekte: Aktiv gegen Kinderarbeit, Drogen Macht Welt Schmerz, Fluchtgrund
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