Erhöhte Kokainnachfrage in Europa schürt Probleme in westafrikanischen Transitstaaten

Bild: © jbdodane [CC BY-NC 2.0] - flickr

Während bei internationalen und nationalen Bemühungen gegen Drogenkriminalität häufig die Produktionsländer im Fokus stehen, werden mittlerweile vermehrt auch Taktiken in den Konsumländern eingebunden. Zwischen diesen beiden Ländergruppen liegen jedoch häufig die Umschlagstaaten, die in der Diskussion über Maßnahmen gegen Drogenkriminalität oftmals vergessen werden. Dazu zählen auch viele westafrikanische Staaten, unter ihnen Benin, Cap Verde Guinea-Bissau, Mali, Nigeria und Togo.12 Der Kokainkonsum in Europa steigt stetig.3 Die Produktionsländer für den europäischen Markt liegen dabei ausschließlich in Lateinamerika. Um den kontinuierlich steigenden Bedarf an Kokain zu decken, mussten die Produzenten auch ihre Transportwege ausweiten. Ein Teil des europäischen Kokains wird seit geraumer Zeit über Westafrika geschmuggelt. Mit dem Konsumanstieg in Europa wird diese Handelsroute für die Produzenten in Lateinamerika immer wichtiger. Für die betroffenen Staaten in Westafrika hat das fatale Folgen.

Durch die verstärkte Nutzung der westafrikanischen Transportroute hat sich in den Umschlagstaaten eine tiefgreifende Drogenindustrie entwickelt. Oft sind die staatlichen Institutionen in den westafrikanischen Ländern instabil und durch die steigende Drogenkriminalität nun einer weiteren Belastung ausgesetzt. Mit einer schlechten Grenz- und Küstensicherung geht ein kriminelles Netzwerk einher, das sich auch über die Nationalstaaten ausweiten und verbinden kann. Vermehrt nehmen die Drogen also auch einen Einfluss auf die Länder, die sie eigentlich nur durchqueren sollen. So können die politischen Unruhen, die derzeit in Mali und Guinea-Bissau herrschen, teilweise auch auf die Drogenindustrie zurückgeführt werden. Kriminelle Netzwerke infiltrieren Regierung und Justiz und es kommt zu einem steigenden Korruptions- und Gewaltsniveau. Selbst demokratische Elemente wie Wahlen können sich diesem Einfluss nicht entziehen.4 Auch die steigende Anzahl an terroristischen Vereinigungen kann sich mittels Besteuerung des Drogenhandels finanzieren und dadurch zunehmend eine Gefahr für die Rechtstaatlichkeit der westafrikanischen Länder darstellen.5

Die bereits instabile Justiz wird durch diese Strukturen weiter untergraben. Eine effiziente Strafverfolgung und Verbrechensaufklärung ist in den betroffenen Staaten nicht gegeben. Zwar gibt es in den meisten westafrikanischen Ländern außergewöhnlich hohe Strafen auf Drogenbesitz und Drogenkonsum, belangt werden jedoch fast ausschließlich Kleinkriminelle. Die kriminellen Gruppierungen, die für den Transport der Drogen in großen Mengen zuständig sind, haben sich eine sicheres Netz aus Korruption und Gewalt aufbauen können und werden nur in äußerst seltenen Fällen von der Justiz aufgespürt. Die Arbeit der Justiz wird darüber hinaus von dem Mangel an Daten über die westafrikanische Drogenindustrie erschwert. Gezielte Maßnahmen sind kaum möglich, wenn sich diese auf teilweise zwei Jahrzehnte alte Daten stützen müssen.4

Abseits der Auswirkungen auf die staatlichen Strukturen kommt es auch zu einem erhöhten Konsum in den Umschlagsländern, die die Nachfrage nach Kokain weiter steigen lässt. Eine adäquate, gesundheitliche Versorgung von Suchtkranken gibt es nicht. Für Abhängige drohen nur die harten Strafen auf Drogenbesitz- und konsum. Eine Sucht endet in den westafrikanischen Ländern häufig tödlich – oder aber in den kriminellen Netzwerken der Drogenindustrie, was diese weiter stärkt.6

Die Lage in den betroffenen Ländern ist prekär und spitzt sich immer weiter zu. Effiziente Maßnahmen gibt es bisher jedoch wenige. Zunächst ist es wichtig, dass es auf internationaler Ebene zu einem Bewusstsein für die Probleme der Umschlagstaaten kommt.6 Denn bei der Bekämpfung dieser Probleme muss auch die internationale Gemeinschaft eine zentrale Rolle einnehmen. Dabei kann primär an zwei Punkten angesetzt werden. Zum einen gibt es in den westafrikanischen Staaten Potential für weitere Schritte. Gerade die Strafverfolgung muss verbessert werden, sodass auch hochrangige Mitglieder von kriminellen Organisationen der Drogenindustrie einer ernstzunehmenden Bedrohung durch Strafverfolgung ausgesetzt sind. Durch eine fortschreitende wirtschaftliche Entwicklung können zudem Alternativen zur Drogenindustrie geschaffen werden, die der Bevölkerung eine annähernd gleiche Bezahlung bieten. Solange diese fehlt, werden sich die Menschen Westafrikas immer wieder dem Handel mit Drogen verschreiben. Außerdem wird ein Ausbau der Gesundheitsversorgung, insbesondere für Drogensüchtige, dringend benötigt, um diese nicht in die Arme der Drogenindustrie zu treiben. Auch eine Bereitstellung von aktuellen Daten zur Drogenindustrie kann bei der Bekämpfung des Problems helfen. Gleichzeitig benötig es aber auch Maßnahmen, die den Konsum in Europa verringern. Denn erst durch den gestiegenen Konsum kam es zu Erschließung und Nutzung der Westafrikaroute und den damit einhergehenden Problemen der westafrikanischen Staaten.

  1. Africa Center for Strategic Studies: Interdiction Efforts Adapt as Drug Trafficking in Africa Modernizes; Artikel vom 07.11.2017 []
  2. Reuters: Cocaine threatens stability in fragile West Africa; Artikel vom: 18.08.2008 []
  3. UNDOC: West Africa under attack; Aufgerufen am 13.08.2018 []
  4. SSA: West Africa’s drug trade: reasons for concern and hope; Artikel vom 25.06.2013 [] []
  5.  IDSA: Cocaine trafficking between Latin America and West Africa; aufgerufen am 13.08.2018 []
  6. DGAP: Nicht nur Durchgangsstation; Aufgerufen am 13.08.2018 [] []

Über Lucy / earthlink

Ich studiere und lebe in Berlin. Im Rahmen meines Bachelors Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin mache ich derzeit bei earthlink ein Praktikum und arbeite bei den Projekten "Fluchtgrund" und "DrogenMachtWeltSchmerz" mit.
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