Transformation der iranischen Drogenpolitik birgt Hoffnung auf Verbesserung der Situation

Bild: © Jordi Bernabeu Farrús [CC BY 2.0] - flickr

Während die Drogenpolitik des Irans vor der islamischen Revolution noch einen Fokus auf Rehabilitation und Prävention legte, erklärte der religiöse Führer Chomeini nach 1979 die Nutzung von Drogen als unislamisch und Eingriff des Westens in den iranischen Staat. Die Regierung verfolgte fortan eine äußerst harsche Drogenpolitik. Die Zahl der Inhaftierungen war auf einem vergleichbaren Level mit den USA und auch Hinrichtungen von Drogenschmugglern keine Unregelmäßigkeit. Diese äußerst strikte Handhabe, mit der Drogendelikte geahndet wurden, konnte jedoch nicht zur Lösung des Problems beitragen. In jüngster Vergangenheit transformierte sich die Drogenpolitik des Irans und Rehabilitations- und Präventionsmaßnahmen rückten wieder vermehrt in den Fokus. Diese Transformation geht jedoch nur äußerst langsam voran und so bleibt die Lage angespannt – nach wie vor ist der Iran weltweit das Land mit den meisten Drogenabhängigen gemessen an der Bevölkerungszahl1

Im Iran werden vornehmlich Opium und das Derivat Heroin konsumiert. Die Drogen stammen aus der Region – das Nachbarland Afghanistan ist für 90 Prozent des weltweiten Vorkommens an Opiaten verantwortlich.2 Die Droge wird zwar auch im Anbauland konsumiert, ein großer Teil ist jedoch für den europäischen und nordamerikanischen Markt bestimmt. Der Transit nach Europa erfolgt über Länder wie Pakistan oder Tadschikistan, der Hauptteil der Drogen wird jedoch durch den Iran in die europäischen Länder geschmuggelt.3 Die Produktion von Opiaten in Afghanistan stieg seit der US-Invasion 2001 rasant1 und erreichte 2017 ein Rekordhoch.2 In Folge dessen kam es ebenfalls zu einem deutlichen Anstieg der Drogenmengen, die durch den Iran geschleust werden. Dadurch stieg die Zahl der Drogenabhängigen im Iran äußerst schnell. Die kritische Lage im Iran lässt sich teilweise also auch auf die gestiegene Produktion in Afghanistan seit der US-Invasion zurückführen.45

Die Regierung ignorierte das wachsende Problem jedoch und verfolgte eine fehlgeleitete und repressive Drogenpolitik, die das Problem nicht an seinen Ursachen anging und somit nicht zur Verbesserung der Lage beitragen konnte.6 Abhängige wurden als moralische und religiöse Versager abgestempelt, die Reaktion auf eine Suchterkrankung war Repression und harte Strafen.7 Auch wenn die große Zahl der Abhängigen erst durch die große Menge an geschmuggelten Drogen aus Afghanistan ermöglicht wird, liegt die Anfälligkeit der iranischen Bevölkerung für die Sucht auch in der Verantwortung des Staates. Die Bevölkerung ist einer hohen Arbeitslosen- und Obdachlosenrate sowie zahlreichen Fällen von häuslicher Gewalt ausgesetzt. Während Alkohol im Iran nahezu verteufelt ist, sind Opiate kulturell besser akzeptiert.  In der großen Aussichtslosigkeit, in der sich die Bürger oftmals befinden, greifen viele zu Opiaten und durch das hohe Suchtpotential dieser Drogen verfallen sie schnell in eine Abhängigkeit.48

Die große Zahl der Abhängigen hat im Iran weitreichende Folgen. Bestehende Probleme wie beispielsweise die hohe Arbeitslosenquote verschlimmerten sich und gleichzeitig kamen neue hinzu: der unhygienische Konsum mit infizierten Spritzen trug zum Anstieg der HIV-Infizierungen im Land bei.9 Die Verschärfung der Situation hatte allerdings auch positive Auswirkungen. Die iranische Regierung konnte das Problem nicht weiter ignorieren und so kam es in jüngster Vergangenheit zum Start der Transformation der Drogenpolitik. In den letzten Jahren entwickelten sich vermehrt NGOs und Grassroot-Bewegungen, die gegen die repressive und wenig hilfreiche Drogenpolitik der iranischen Regierung vorgingen. Anfang des Jahres waren diese Bemühungen von Erfolg gekrönt und es wurde eine Gesetz verabschiedet, das die Todesstrafe für viele Inhaftierte in verlängerte Haftstrafen umwandelte. Ein weiteres Abrücken von den strengen Drogengesetzen wird durch eben diese NGOs und Grassroot-Bewegungen gefordert und so könnte der Fokus der iranischen Drogenpolitik in Zukunft wieder auf Rehabilitations- und Präventionsmaßnahmen liegen. Die Transformation ist äußerst wichtig, da nur durch solche Maßnahmen eine wirksame Hilfe für Abhängige und damit eine Lösung der Krise bewirkt werden kann. Die Transformationsprozesse gehen bisher allerdings langsam voran, da es innerhalb der Regierung immer noch Politiker gibt, die an den konservativen Auffassungen der Drogenpolitik festhalten. Während sich die NGOs und Grassrootbewegungen um weitere Anstoße hin zu einer nachhaltigeren Drogenpolitik bemühen müssen und werden, können auch europäische Länder Einfluss auf die Situation im Iran nehmen. Die Problematiken sind typisch für einen Transitstaat der internationalen Drogenökonomie und werden erst durch den Transport der Drogen durch diese Länder ermöglicht. Dieser Transport wiederum entsteht nur, da das Verlangen in europäischen und nordamerikanischen Ländern nach Drogen wie Heroin gestillt werden muss. Der Iran steht einem europäischen Einfluss bekanntermaßen äußerst kritisch gegenüber. Durch verbesserte Drogenpolitiken in den europäischen Verbraucherländern können diese jedoch trotzdem zu einer verbesserten Situation für die iranische Bevölkerung beitragen, ohne die Beziehungen zum Iran durch ein Eingreifen in nationale Politik weiter zu belasten.1

  1. Middle East Brief: Drugs and Drug Policy in the Islamic Republic of Iran; aufgerufen am 23.08.2018 [] [] []
  2. UNDOC: Afghan Opium Survey 2017; aufgerufen am: 08.08.2018 [] []
  3. Council on Foreign Relations: Afghanistan’s Role in Iran’s Drug Problem; Artikel vom 13.09.2006 []
  4. IJPBS: Iranian Common Attitude Toward Opium Consumption; aufgerufen am 23.08.2018 [] []
  5. UNDOC: Islamic Republic of Iran commemorates International Day Against Drug Abuse and Illicit Trafficking; Artikel vom 03.07.2018 []
  6. Deutsche Welle: Iran: Drug and alcohol addiction reach epidemic levels; Video vom 07.05.2018 []
  7. ZEIT Online: Opium die Alten, Crystal die Jungen; Artikel vom 16.09.2016 []
  8. Mackenzie Institute: Gutting Iran; Artikel vom 16.10.2014 []
  9. Council on Foreign Relations: Afghanistan’s Role in Iran’s Drug Problem; Artikel vom 13.09.2006 []

Über Lucy / earthlink

Ich studiere und lebe in Berlin. Im Rahmen meines Bachelors Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin mache ich derzeit bei earthlink ein Praktikum und arbeite bei den Projekten "Fluchtgrund" und "DrogenMachtWeltSchmerz" mit.
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