Der Drogenmissbrauch in Ruanda nimmt immer weiter zu

Ruanda

Männer des Militärs auf Drogenpatrouille im Westen Ruandas | Bild: © TORCH MAGAZINE [CC BY-NC 2.0] - flickr

Im August dieses Jahres fand in Ruanda das dort sehr beliebte Radrennen „Tour du Ruanda“ statt. Auch ein deutsches Team war mit am Start- über den Sieg konnte sich jedoch ein Ruander freuen. Das Rennen wurde erstmals 1988 ausgetragen und ist damit das erste internationale Radrennen Ostafrikas. Auch wenn das Land solch schöne Seiten zu zeigen hat, gibt es in Ruanda dennoch Probleme- besonders im Bezug auf Drogen.

Ruanda liegt eingekesselt von Uganda, Tansania, Burundi und der Demokratischen Republik Kongo im Osten Afrikas. Aufgrund der zentralen Lage strömen jährlich mehrere Tonnen Drogen aus den Nachbarländern über die Grenzen Ruandas- besonders Marihuana. Im Süden des Landes, an der Grenze zu Burundi und Tansania, liegt ein großes Sumpfgebiet. Diese Region ist für Schmuggler der perfekte Ort, um die Drogen illegal nach Ruanda zu bringen- abgelegen von den nächsten Dörfern und dennoch nah an einem Highway. Obwohl in dem Sumpf mehrere tödliche Tiere wie Schlangen leben, werden große Mengen an Rauschmitteln über diese Route ins Land transportiert1. Zwischen November letzten Jahres und Januar dieses Jahres konnten illegale Substanzen im Wert von Rwf150 Millionen, umgerechnet 144.500 Euro, sichergestellt werden. In den vergangenen sechs Monaten konnte mehr als eine Tonne Cannabis beschlagnahmt werden. Diese immensen Summen zeigen, dass in Ruanda viele Drogen im Umlauf sind.

Der Zugang zu Rauschgiften ist daher mehr als einfach- ob in Schulen oder im Stadtzentrum. Folglich ist es nicht verwunderlich, dass mehr als die Hälfte der Jugend eine oder mehrere Arten illgaler Substanzen eingenommen hat und rund sieben Prozent stark abhängig sind2. Die dabei am häufigsten konsumierte Droge ist Marihuana, das meist in Burundi oder Tansania angebaut wird. Ein vermutlicher Grund, warum viele Ruander so anfällig für Drogenmissbrauch sind, ist eng mit der Geschichte des Landes verwurzelt. Von 1884 bis 1962 war Ruanda erst deutsche und anschließend belgische Kolonie. Die Kolonialisten teilten das einheitliche Volk der Twa, Hutu und Tutsi nach rassenideologischen Kriterien auf und schürten so über mehrere Jahre Hass unter den Volksgruppen der Hutu und Tutsi. Der Hass entlud sich schließlich in Form mehrerer gewaltsamer Aufstände im Jahr 1994 und forderte insgesamt rund 800.000 Menschenleben3. Der Genozid und dessen Folgen sind heute, 24 Jahre später, immer noch deutlich zu spüren. Besonders die Armut der Menschen, aber auch familiäre Situationen erschweren das Leben der Ruander, da Viele Angehörige durch den Genozid verloren haben. Ausländische Drogen haben also einen boomenden Markt in Ruanda gefunden.

Die Folgen des Drogenmissbrauchs sind vielseitig. Besonders für junge Konsumenten ist der Gebrauch von Rauschmitteln gefährlich. So untergräbt beispielsweise der Konsum von Cannabis die Entwicklung der jungen Menschen sowie ihre Fähigkeit, aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Das wiederum kann den sozialen Zusammenhalt schwächen und folglich zu langfristig negativen Auswirkungen für die wirtschaftliche Entwicklung führen. Daneben kann der Missbrauch von Drogen zu Herz-, Leber-, Nieren- und psychischen Problemen führen1. Ruandas einziges Krankenhaus für psychische Krankheiten berichtet, dass mentale Krankheiten besonders bei jungen Menschen stark zugenommen haben- meist bedingt durch Drogenmissbrauch4. Dabei hat sich die Anzahl der Patienten innerhalb der letzen vier Jahre verdreifacht. Von einem weiteren Anstieg der Zahlen ist auszugehen. Aber auch Gewalt ist eine negative Folge der Rauschgifte. Laut der ruandischen Polizei wird der Missbrauch von Alkohol und speziell von Drogen als Hauptwurzel der meisten gewalttätigen Auseinandersetzungen und geschlechterbezogenen Gewalttaten vermutet. Das wiederum sorgt für Unsicherheit in der Gesellschaft.

Die Regierung Ruandas unternimmt aktive Versuche, um gegen den Missbrauch von Drogen, besonders Cannabis, vorzugehen. Zum einen werden Gesellschaft und Eltern besser aufgeklärt und dazu angehalten, mehr auf ihre Kinder zu schauen, um sicherzustellen, dass sie nicht in Kontakt mit Drogen kommen. Zum anderen stellt die ruandische Staatsgewalt jährlich rund Rwf800 Millionen, umgerechnet mehr als 700.000 Euro, für die Behandlung von Drogenabhängigen im Zentrum Iwawa für Rehabilitation zur Verfügung. Dabei werden die Abhängigen sechs Monate lang medizinisch und psychologisch betreut und anschließend weitere sechs Monate auf eine berufliche Zukunft vorbereitet. Solch ein Zentrum ist ein Vorzeigeprojekt- jedoch gibt es bisher in ganz Ruanda nur ein offizielles Rehabilitationszentrum. Des Weiteren ist die Regierung bemüht, die Routen durch das Sumpfgebiet im Süden des Landes aufzudecken und zu unterbinden.

Dass Ruanda mit hohen Zahlen an Drogenmissbrauch zu kämpfen hat, liegt besonders an der enormen Menge an illegalen Substanzen, die das Land passiert. Je mehr Drogen also durch das Land fließen, desto höher die Zahl an Konsumenten. Die in den Nachbarländern Ruandas produzierten Rauschmittel wie Cannabis werden nicht zuletzt auch nach Europa transportiert. Daher gilt: Eine geringere Nachfrage in Europa würde zu einer abnehmenden Produktion in den Nachbarländern Ruandas führen, was langfristig den Umlauf von Drogen im Land reduzieren könnte.

  1. The New Times: Tracing Drug Trafficking Routes; Artikel vom 27.02.2018 [] []
  2. The New Times: Drug abuse among youth on record high; Artikel vom 24.06.2014 []
  3. Der Straßenkinderreport: Ruanda; Aufgerufen am 20.09.2018 []
  4. The East African: Calls for rethink of war against drugs as intoxicates eat up youth; Artikel vom 03.07.2015 []

Über Sonjara / earthlink

Ich studiere in München Ethnologie und Rechtswissenschaften. Dank meines Studiums habe ich gelernt die Welt nicht nur mit den eigenen Augen zu betrachten, sondern die Realität aus verschiedenen Blickwinkeln wahrzunehmen. Ich mache hier ein Praktikum, um dieses Wissen sowie meine Erfahrungen durch Auslandsaufenthalte im Rahmen der Projekte anzuwenden und so auch mich selbst weiter zu entwickeln.
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