Ecuador: Drogenschmuggel auf neuen Wegen – mit altbekannten Folgen

Ecuador

Drogen werden immer mehr zu einem alltäglichen Problem in Ecuador | Bild: © matt pounsett [CC BY-NC 2.0] - flickr

Ein Reisebus auf dem Weg nach Quito, der Hauptstadt Ecuadors- soweit eine alltägliche Szene. Seit einem Busunglück Mitte August hat sich die Lage jedoch verändert. Der verunglückte Touristenbus entpuppte sich als Transporter für 80 Kilogramm Kokain und fast eine halbe Tonne Marihuana1. Seit in den Nachbarländern Peru und Kolumbien immer mehr Drogen angebaut, die üblichen Schmugglerwege jedoch zuverlässiger kontrolliert werden, wird auf solch ungewöhnliche Maßnahmen wie einen Reisebus zurückgegriffen. Den meist jungen Frauen wird eine kostenlose Reise durch Ecuador nach Peru angeboten. Dabei gilt es jedoch nicht den Frauen etwas Gutes zu tun. Im Gegenteil: Sie sollen den Bus tarnen und das Reisegruppenschauspiel perfekt machen, um vom eigentlichen Vorhaben- dem Drogenschmuggel-abzulenken. Wissen tun die unschuldigen Reisenden jedoch meist nichts davon.

Während der Drogenanbau im Land selbst von keiner großen Bedeutung ist, nimmt Ecuadors Status als Transitstaat für den Drogenhandel besonders der Nachbarländer Peru und Kolumbien immer weiter zu-sowohl über Land als auch über Wasser. Dabei spielt vor allem die Stadt Guayaquil eine entscheidende Rolle als wichtiger Umschlagplatz innerhalb Lateinamerikas aber auch für den Export in die USA oder Europa.Die Position der Stadt festigt sich immer mehr, da auch die Nachfrage weltweit immer weiter zunimmt2.

Die daraus resultierenden Folgen für das lateinamerikanische Land sind fatal. Sowohl Drogenkonsum als auch Kriminalität haben stark zugenommen. Auf Grund des gestiegenen Drogenschmuggels und Konsums in Ecuador tritt auch die Kriminalität durch kolumbianische sowie nationale mit dem Drogenhandel in Verbindung stehenden Organisationen vermehrt auf.So wurden im April diesen Jahres drei Journalisten der ecuadorianischen Zeitung „El Comercio“ an der Grenze zu Kolumbien entführt und wenig später getötet. Verantwortlich war eine Splittergruppe der früheren kolumbianischen Guerillaorganisation FARC, der Front Oliver Sinisterra. Diese finanzierte und finanziert sich hauptsächlich über den Drogenhandel. Solche Übergriffe schränken die Sicherheit der Bewohner ein. Diese Einschränkung könnte sich ähnlich wie in Costa Rica auf den Tourismus auswirken, da sich besonders auf Grund der Warnungen vor Überfällen weniger Touristen für einen Urlaub in Ecuador entscheiden könnten. Das wiederum könnte sich so langfristig auf die Wirtschaft auswirken. Zudem ist aber auch ein Anstieg der Korruption in einigen staatlichen Institutionen fest zu stellen, die einen eindeutigen Bezug zum Drogenhandel aufweist. Bereits 2013 wurde der ehemalige Polizeichef in der nördlichen Provinz Esmeraldas zu sechs Jahren Haft verurteilt, weil er das Sinaloa Drogenkartell unterstützte und einen Schmuggel von mehr als einer Tonne Kokain von Ecuador nach Mexiko ermöglichte. Da der Drogenhandel in Ecuador immer weiter ansteigt, ist davon auszugehen, dass auch die Korruption immer mehr zunehmen wird3.

Die Maßnahmen der Regierung sind jedoch beachtlich: Es wurden schon zahlreiche Operationen gegen den Drogenhandel unterstützt. So gehen sowohl das Militär als auch spezielle „Friedensgruppen“ gegen die organisierte drogenbezogene Kriminalität vor. Mit Erfolg: Ecuador gilt als eines der sichersten Länder in dieser Region. Beispielsweise konnten in Ecuador innerhalb von nur vier Tagen mehr als drei Tonnen Kokain sichergestellt werden. Auch international wird der Kampf gegen Drogen immer erfolgreicher. So wurden in einem Rewe-Markt im bayerischen Kiefersfelden 856 Kilogramm reines Kokain gefunden- getarnt in Bananenkisten. Dem Kriminaldirektor des LKAs zufolge stammte das Kokain aus Ecuador4.

Trotz der immer besseren Maßnahmen gegen den nationalen und internationalen Drogenschmuggel ist dennoch von einem Anstieg des Drogenhandels und somit auch von vermehrter Kriminalität in der Zukunft auszugehen. Darum gilt es gerade für die USA und Europa, als zwei der Hauptabsatzmärkte des Drogenexports, sich den Folgen unserer Nachfrage bewusst zu werden. Würde die Nachfrage besonders der großen Absatzmärkte sinken, würde das wiederum zu Folge haben, dass weniger in den Anbau-und Transitstaaten produziert wird.

  1. Colombia Reports: Fatal bus crash in Ecuador reveals free’narco holidays‘ from Colombia; Artikel vom 21.08.18 []
  2. InSight Crime: Ecuador Profil; Beitrag vom 26.06.18 []
  3. U.S. Department of State: Ecuador; Beitrag aus dem Jahr 2016 []
  4. Merkur: Kokain- Schmuggel in Bananenkisten so ging die Drogenbande vor; Artikel vom 17.05.18 []

Über Sonjara / earthlink

Ich studiere in München Ethnologie und Rechtswissenschaften. Dank meines Studiums habe ich gelernt die Welt nicht nur mit den eigenen Augen zu betrachten, sondern die Realität aus verschiedenen Blickwinkeln wahrzunehmen. Ich mache hier ein Praktikum, um dieses Wissen sowie meine Erfahrungen durch Auslandsaufenthalte im Rahmen der Projekte anzuwenden und so auch mich selbst weiter zu entwickeln.
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