Marokko entwickelt sich zum Transitstaat für Kokain nach Europa

Symboldbild | Bild: © The National Crime Agency [CC BY 2.0] - flickr

14 Kilometer liegen an der engsten Stelle zwischen Afrika und Europa- und trennen damit Spanien von Marokko, einem der größten Haschischproduzenten der Welt. Sowohl sein Status als Produktions- aber auch als Transitstaat nimmt immer weiter zu.

Der Drogenvertrieb stellt ein immenses Problem für das nordafrikanische Königreich dar. Sowohl der Rauschgifthandel als auch die Abhängigkeit der Bevölkerung ist in den letzten Jahren weiter angestiegen. Viele Menschen sind süchtig, besonders in größeren Städten. Laut einer 2017 erhobenen Studie durch die Fakultät für Medizin und Pharmazie der Universität Casablanca sind etwa 600.000 Marokkaner drogenabhängig- 16.000 davon von harten Drogen wie Heroin und Kokain. Besonders betroffen sind junge Menschen zwischen 18 und 28 Jahren. Die Regierung in Rabat hat mehrere Zentren für Drogenabhängige errichtet, um den Menschen eine Behandlung zu ermöglichen1. Diese Anti- Drogen- Projekte sind Teil des Programms von 2010 zur Bekämpfung der Drogenabhängigkeit. Daneben gibt es strenge Gesetze, die den Rauschgifthandel erschweren sollen.

Neben der Bekämpfung der Abhängigkeit ist auch die Produktion von Haschisch eine Herausforderung für die Regierung. In den Rif- Bergen im Norden Marokkos wird „Kif“, wie die Marokkaner das Cannabis nennen, in solchen Mengen angebaut, dass das Land lange Zeit der größte Haschischproduzent weltweit war. 2010 wurde Marokko schließlich von Afghanistan abgelöst. Dennoch wird jährlich eine immense Menge Haschisch in Marokko für den Export produziert.

Korruption, Streitigkeiten mit den Nachbarländern und Kriminalität – die aus dem Drogenvertrieb resultierenden Folgen sind enorm. Der ansteigende internationale Drogenhandel unterwandert immer weiter den Staat. So sind vor allem das Militär sowie die Polizei besonders durch zunehmende Korruption geprägt2. Beispielsweise wurden im Mai dieses Jahres mehrere Polizeibeamte auf Grund von Beteiligung an Drogenschmuggel festgenommen. Daneben sind auch die Beziehungen zu den Nachbarländern von den Rauschgiften gefärbt- besonders die Beziehung zu Algerien. Einige algerische Beamte äußerten gegenüber Marokko den Vorwurf von Geldwäsche und, dass der Nachbar Algerien mit Drogen überflutet. Gleichzeitig geht Algerien davon aus, dass die Regierung in Rabat den Drogenhandel zu eigenen wirtschaftlichen Gunsten toleriert3. Die wohl weitreichendste Folge stellt jedoch die Kriminalität dar.

Wichtig hierbei ist zu verstehen, welche Rolle Marokko als Transitstaat im internationalen Drogenhandel spielt. Dieses Jahr im Februar konnten 541 Kilogramm Kokain im Hafen von Casablanca sichergestellt werden. Die Drogen wurden an Bord eines Containerschiffes aus Südamerika gefunden. Während Schmugglerrouten aus Südamerika bislang hauptsächlich über Westafrika führten, hat sich nun eine neue Route über Nordafrika nach Europa herausgebildet. Interessant für den Drogenschmuggel ist Marokko deshalb, weil es ein fast gefahrloses Drehkreuz in unmittelbarer Nähe zu Europa darstellt. Sowohl Wirtschaft als auch Politik können wenig gegen den Drogenschmuggel ausrichten und auch die Sicherheitsstrukturen sowie die Grenzkontrollen sind unzureichend, um einen wirksamen Kampf gegen die Drogen zu führen. Hier spielt auch die bereits erwähnte Korruption unter Polizeibeamten keine unbedeutende Rolle, da sie häufig anfällig für die Finanzmacht der Drogenkartelle sind4. Durch die Zunahme des Drogenschmuggels über Marokko ist die Kriminalität im Land stark gestiegen- sowohl durch einheimische als auch ausländische Drogenbanden. Während 2012 noch 74.500 Marokkaner wegen drogenbezogener Gewalt strafrechtlich verfolgt wurden, waren es im Jahr 2017 bereits 85.0005. Dabei wurden über 25 Prozent der Gefängnisinsassen wegen Drogendelikten inhaftiert. Auch gegen ausländische Drogenschmuggler wird vorgegangen. So wurden im März dieses Jahres 195 Nigerianer gefangen genommen, die als Drogenkuriere von Südamerika aus über Marokko nach Europa reisen wollten6.

Von einer weiteren Zunahme der Zahlen ist auszugehen, da Europa als einer der größten und auch andauernden Absatzmärkte für Drogen gilt. So sind die meisten der international hergestellten und transportierten Drogen für den europäischen Markt bestimmt7. Solange also in Europa der Bedarf an Rauschmitteln besteht, wird die Rolle Marokkos als Produktionsland für Haschisch und auch als Transitstaat für Kokain weiter ansteigen. Fraglich bleibt dabei, wie das Land mit den zunehmenden fatalen Folgen umgehen wird.

  1. Morocco World News: Morocco Records 85,000 Drug- Related Crimes in 2017; Artikel vom 19.06.2018 []
  2. U.S. Department of State: Morocco; Stand 2014 []
  3. Morocco World News: Former Algerian official: „Terrorism, Drugs Support Morocco’s Currency“; Artikel vom 08.09.2018 []
  4. Maghreb Post: Marokko- BCIJ meldet Drogenfund von 500Kg; Artikel vom 12.02.2018 []
  5. European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction: Kingdom of Morocco Country Overview; Stand 03.06.2016 []
  6. The Cable: 195 Nigerians in Moroccan Prisons for drug- related crimes; Artikel vom 23.03.2018 []
  7. OSAC: Morocco 2018 Crime& Safety Report: Casablanca; Stand 10.04.2018 []

Über Sonjara / earthlink

Ich studiere in München Ethnologie und Rechtswissenschaften. Dank meines Studiums habe ich gelernt die Welt nicht nur mit den eigenen Augen zu betrachten, sondern die Realität aus verschiedenen Blickwinkeln wahrzunehmen. Ich mache hier ein Praktikum, um dieses Wissen sowie meine Erfahrungen durch Auslandsaufenthalte im Rahmen der Projekte anzuwenden und so auch mich selbst weiter zu entwickeln.
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