Paraguay: Das kleine Land ist einer der größten Produzenten für Marihuana

Marihuanapflanze

Die Produktion von Marihuana ist in Paraguay stark angestiegen | Bild: © Gounsil [CC BY 2.0] - Flickr

Im Juni 2016 wurde Jorge Rafaat Toumani durch brasilianische Drogengangmitglieder getötet1. Er war Paraguays wohl bekanntester Drogenboss. Seit seinem Tod haben sich die Verhältnisse im Land stark verändert.

Paraguay liegt eingekesselt von Brasilien, Bolivien und Argentinien im Herzen Südamerikas. Diese zentrale Lage macht es zu einem strategisch attraktiven Ort für Drogenschmuggel. Zudem vereinfachen die schlecht kontrollierten Grenzen sowie das mäßig ausgearbeitete Gewaltpräventionssystem den Drogenhandel extrem. So wird seit vielen Jahren bereits Kokain aus den andinen Nachbarländern über Paraguay auf den internationalen Markt gebracht. Bolivianisches  Kokain zum Beispiel, wird meist mittels kleiner Privatflugzeuge ins Land geflogen und anschließend über Land nach Brasilien transportiert2. Von dort oder direkt aus Paraguay gelangt das Kokain im Anschluss auf den internationalen Markt. Beispielsweise konnten im Sommer letzten Jahres 3,8 Tonnen Kokain im Hamburger Hafen sichergestellt werden – zwei der drei Sendungen stammten aus Paraguay3.

Paraguay ist jedoch nicht nur Transitstaat für den internationalen Handel mit Kokain. Im Land selbst wird vor allem Marihuana angebaut. Viele Faktoren begünstigen den Cannabisanbau: Paraguays Wirtschaft ist von Landwirtschaft geprägt, jedoch gibt es kaum Agrargesetze, welche sie regulieren. Zudem leben besonders viele Bauern unter der Armutsgrenze, weshalb die ländliche Bevölkerung zunehmend von Perspektivlosigkeit geprägt ist4. Daher entscheiden sich immer mehr Bauern gegen den Anbau von legalen Agrarprodukten wie Sojabohnen, sondern für den Anbau von Marihuana, da die Kultivierung von Drogen weitaus lukrativer ist5.

Erstaunlich ist, dass weniger als ein Prozent der paraguayischen Bevölkerung Marihuana konsumiert. Dementsprechend wird der entscheidende Teil der Menge exportiert, vor allem nach Afrika und Europa. Laut der United Nations Organisation produziert das kleine Land etwa neun Prozent des Weltbedarfs an Marihuana – Paraguay ist somit viertgrößter Hersteller hinter Mexiko, den USA und Nigeria sowie größter Exporteur in Südamerika. So werden rund 20 Prozent der Marihuana Produktion nach Argentinien, Chile und Uruguay transportiert, während 80 Prozent von brasilianischen Gangs finanziert und dorthin geliefert werden2. Vor dem Tod Toumanis wurde der Drogenhandel in Paraguay hauptsächlich durch ihn und seine Gefolgsleute kontrolliert. Seither jedoch mischen sich immer mehr kleine Drogengangs in das Geschäft ein. Im Jahr 2017 hat die Polizei 700 Tonnen Marihuana sicherstellen können- mehr als das Doppelte von dem, was ein Jahr zuvor beschlagnahmt wurde6. Es ist also von einer weiteren Zunahme des Drogenschmuggels auszugehen.

Die Folgen für das kleine Land sind stark spürbar. Neben wachsender Korruption steigen vor allem die Zahlen der Mordfälle sowie gewaltsamer Übergriffe an. Auch der Drogenmissbrauch in der Bevölkerung steigt, wobei die Delikte jedoch kaum strafrechtlich verfolgt werden. Besonders im Grenzgebiet zwischen Paraguay und Brasilien kommt es in letzter Zeit immer häufiger zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Drogenkartellen. Insbesondere die Grenzstadt Pedro Juan Caballero ist betroffen.

Drogenhandel und Produktion haben also klar zugenommen und müssen von der Regierung besser kontrolliert werden. Trotz intensiver Bemühungen konnten die Zuständigen bisher nur 25 bis 30 Prozent der Drogenaktivitäten eindämmen. So wurden unter anderem Autos und Flugzeuge beschlagnahmt sowie versteckte Routen aufgedeckt – sowohl den Kokain – als auch den Marihuana Handel betreffend. Zudem konnten rund 1,2 Hektar Hanf alleine in der ersten Hälfte dieses Jahres vernichtet werden1. Bis die Regierung den Kampf gegen den Drogenschmuggel gewinnen kann, ist es noch ein weiter weg. Jedoch sollten wir uns bewusst machen, dass rund 99 Prozent des paraguayischen Marihuanas für den internationalen Markt produziert werden – würde also die Nachfrage vor allem in Afrika und Europa sinken, würde die Regierung in Paraguay den Kampf gegen den Drogenschmuggel sicherlich schneller gewinnen können.

  1. The Washington Post: Drug production is booming in Praguay, and so is drug violence; Artikel vom 17.08.2017 [] []
  2. The Washington Post: Drug production is booming in Praguay, and so is drug violence; Artikel vom 17.08.2017 [] []
  3. Welt: Täter werden immer dreister, sie machen sich kaum noch Mühe; Artikel vom 20.07.2017 []
  4. BBC: Las terribles causas y consecuencias de que Paraguay sea el mayor productor de marihuana de Sudamérica; Artikel vom 27.10.2016 []
  5. TeleSur: Drug production and Crime on the Rise in Paraguay; Artikel vom 22.08.2017 []
  6. TeleSur: Drug production and Crime on the Rise in Paraguay; Artikel vom 22.08.2017 []

Über Sonjara / earthlink

Ich studiere in München Ethnologie und Rechtswissenschaften. Dank meines Studiums habe ich gelernt die Welt nicht nur mit den eigenen Augen zu betrachten, sondern die Realität aus verschiedenen Blickwinkeln wahrzunehmen. Ich mache hier ein Praktikum, um dieses Wissen sowie meine Erfahrungen durch Auslandsaufenthalte im Rahmen der Projekte anzuwenden und so auch mich selbst weiter zu entwickeln.
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