Probleme von Frauen in der Drogenindustrie werden kaum adressiert

Bild: © Jacksoncam [CC BY 2.0] - flickr

Die Drogenindustrie wächst: Im letzen Jahr wurde so viel Schlafmohn angepflanzt wie bisher noch nie1 und auch der Handel von Drogen in Westafrika, Ostafrika, Zentralasien, Südamerika und Mittelamerika steigt kontinuierlich. Durch den Anstieg in Produktion und Handel sind zunehmend auch die Menschen in Anbau- und Transitländern betroffen – mittlerweile zählen dazu vermehrt Frauen. Ansätze zur Bekämpfung von Drogenabhängigkeit und Drogenkriminalität berücksichtigen zumeist nicht den Genderaspekt der Problematik und sind deswegen wenig hilfreich.2 

Bisher sind mehr Männer als Frauen von Drogen abhängig. Gerade in jüngeren Generationen wird der Unterschied zwischen den Geschlechtern jedoch immer geringer, sodass das Problem in Zukunft wachsen wird. Aus diesem Grund müssen Maßnahmen verstärkt auch genderbasiert wirken, da es entscheidende Unterschiede zwischen suchtkranken Frauen und suchtkranken Männern gibt. Generell  erleben süchtige Frauen zwei verschiedene Arten von Konsequenzen einer Drogensucht, die nicht bei Männern vorkommen. Zunächst gibt es Folgen, die direkt mit dem biologischen Geschlecht zusammenhängen. Frauen, die von Drogen abhängig sind, haben ein höheres Unfruchtbarkeitsrisiko. Gleichzeitig kommt es häufiger zu ungewollten Schwangerschaften. Während dieser können vielen Frauen ihren Drogenkonsum nicht beenden und haben keinen Zugang zu angemessener, medizinischer Betreuung. Anders als bei männlichen Süchtigen geben die Frauen die Abhängigkeit so oft an ihre ungeborenen Kinder weiter.32  Zudem sind Frauen anfälliger für Krankheiten wie HIV oder Hepatitis und sind im Vergleich häufiger betroffen.4 Neben diesen Folgen, die mit dem Geschlecht der Frauen zusammenhängen, gibt  es eine Vielzahl negativer Konsequenzen, die Frauen aufgrund gesellschaftlicher Geschlechterrollen erfahren. Für weibliche Abhängige gibt es in vielen Gesellschaften der Anbau- und Transitländer ein großes Stigma, sodass es nur wenige Behandlungsmöglichkeiten gibt. In Afghanistan haben nur 4 Prozent der Frauen Zugang zu drogenrelevanter, medizinischer Versorgung und insbesondere ethnische Minderheiten und People of Color erleben den Effekt dieser Stigmata noch einmal verstärkt.5 

Neben der steigenden Zahl an weiblichen Suchtkranken gibt es auch vermehrt Frauen, die innerhalb der Drogenindustrie arbeiten. Doch auch wenn sie keiner Abhängigkeit verfallen, müssen die Frauen viele negative Konsequenzen ertragen. Vermehrt sind Frauen im afrikanischen und lateinamerikanischen Drogenhandel sowie in den Anbau von Schlafmohn und Kokapflanzen involviert4 Frauen akzeptieren dabei niedrigere Löhne als Männer und werden in Folge dessen oft als minderwertige Arbeiterinnen angesehen. Sie verrichten äußerst risikoreiche Aufgaben, die häufig im Gefängnis oder sogar tödlich enden. Innerhalb der Drogenringe sind sie zudem sexualisierter Gewalt ausgesetzt, was meist  zu schwerwiegenden, psychischen Problemen führt. Oft gibt es für die Frauen jedoch keine Alternative, durch die sie auf legale und sichere Weise genug Geld zum Überleben verdienen können und viele der weiblichen Mitglieder der Drogenindustrie werden mit Gewalt zu der gefährlichen Abreit gezwungen.6

Bisherige Ansätze berücksichtigen selten den Aspekt Gender und können die spezifischen Probleme der Frauen nicht adressieren. Für Suchterkrankte fehlt es an Rehabilitationseinrichtungen, in denen die Frauen sicher und ohne soziale Stigmata einen Entzug durchführen können. Aus diesem Grund versuchen viele Frauen nie, von der Abhängigkeit loszukommen beziehungsweise werden schnell rückfällig.4 Derzeit werden anteilig mehr Frauen als Männer für Drogendelikte inhaftiert, da Drogenbekämpfungsansätze hauptsächlich auf geringfügige Straftaten abzielen, statt die tatsächlichen Schlüsselfiguren der Drogenindustrie ins Visier zu nehmen. In Gefängnissen gibt es zudem häufig ein viel kleineres Angebot an Rehabilitationsprogrammen für Frauen, sodass diese nach der Entlassung teilweise mit höheren sozialen Stigmata und ökonomischen Konsequenzen belastet sind als zuvor. Um Frauen innerhalb der Drogenindustrie besser helfen zu können, müssten sich Ansätze deutlich mehr auf die geschlechtlichen Unterschiede fokussieren, frauenspezifische Rehabilitationsprogramme gestärkt und wirtschaftliche Alternativen entwickelt werden. Sollte es in nächster Zukunft keinen Umschwung in eine frauenfreundlichere Drogenpolitik geben, wird sich das Problem weiter verschärfen. Insbesondere die Länder des Globalen Nordens stehen hier in der Verantwortung den dortigen Drogenkonsum einzuschränken. Den auch in Europa sind immer mehr Frauen von einer Drogenabhängigkeit betroffen und haben mit vielen der genannten Probleme zu kämpfen.7

  1. UNDOC: Afghanistan Opium Survey 2017; aufgerufen am 03.09.2018 []
  2. UNDOC: A Gender Perspective on the Impact of Drug Use, the Drug Trade, and Drug Control Regimes; aufgerufen am 03.09.2018 [] []
  3. NIDA: Substance Use in Women; aufgerufen am 03.09.2018 []
  4. UNDOC World Drug Report 2018: Women and Drugs; aufgerufen am 03.09.2018 [] [] []
  5. Drug Policy Alliance: Women, LGBTQIA+ People & the Drug War; aufgerufen am 03.09.2019 []
  6. OpenDemocracy: Women and the War on Drugs; Artikel vom 13.04.2016 []
  7. EMCDDA: Women and gender issues in drug use; aufgerufen am 03.09.2018 []

Über Lucy / earthlink

Ich studiere und lebe in Berlin. Im Rahmen meines Bachelors Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin mache ich derzeit bei earthlink ein Praktikum und arbeite bei den Projekten "Fluchtgrund" und "DrogenMachtWeltSchmerz" mit.
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