Terrororganisationen sind tief in die internationale Drogenindustrie verstrickt

Drogen Oman

Bild: © Royal Navy Media Archive [CC BY-NC 2.0] - flickr

Die Opiumproduktion in Afghanistan boomte in den letzten Jahren und so erschließen die Drogenhändler vor Ort laufend neue Transitstrecken.1 Viele Transitländer haben dadurch gravierende Konsequenzen zu tragen. Das Netzwerk der Routen ist äußerst weitläufig und umfasst viele afrikanische Länder sowie Staaten in der Region Nahost.2 In vielen dieser Länder agieren Terrororganisationen, die sich am Handel mit den Drogen beteiligen. Dadurch können diese einen großen Teil ihrer Machenschaften finanzieren und an Einfluss gewinnen.3

Die Transitländer in Afrika und der MENA-Region bieten für den Handel mit illegalen Drogen einige Vorzüge. Hier existieren viele wichtige und große Häfen und Flughäfen, die über ein hohes Handelsvolumen verfügen. Da mögliche Umschlagspunkte weit verbreitet und äußerst divers sind, werden Maßnahmen gegen den Handel deutlich erschwert. Gleichzeitig lenken die regionalen Sicherheitsdefizite nationale und überregionale Akteure von erfolgreichen Gegenmaßnahmen ab und erschweren ein Durchgreifen der Behörden.45 Aus diesem Grund gab es bisher kaum erfolgreiche Schritte gegen die illegale Drogenökonomie in diesen Transitländern.

Insbesondere Maßnahmen, die eine wachsende Drogenindustrie in und um die Arabische Halbinsel und in ost- und westafrikanischen Staaten bekämpfen, sind jedoch äußerst wichtig. Die Verbindung zwischen Terrorgruppierungen und dem Drogenhandel ist seit Jahrzenten deutlich.6 Gerade in Sttaten in der Region Nahost und Nordafrika (MENA) konnten Terrororgruppen zunehmend an Macht und Einfluss gewinnen und so ist auch die Finanzierung von Terrorismus zentral im Kampf gegen diese Bedrohung. Der Handel mit Drogen stellt für viele verschiedene kriminelle Netzwerke eine Finanzierungsquelle da. Der IS finanziert sich beispielsweise durch den Verkauf und die Besteuerung von Marihuana aus Marokko, das über Libyen auf den europäischen Markt gelangt.78 Dadurch ist die Organisation in der Lage, Waffen und Ausrüstung zu kaufen und terroristische Anschläge zu planen, zu finanzieren und durchzuführen.910 Al-Qaida oder die Taliban sind weitere Aktuere der internationalen Drogenindustrie und können durch den Handel mit afghanischem Opium und Heroin Profit erwirtschaften.11 In Westafrika ist die Terrorgruppe Boko Haram in den Handel und Transport von Methamphetaminen, Heroin und Kokain verstrickt.12 Auch die Terrormiliz Al Shabaab, die größtenteils in Ostafrika agiert, ist Teil der internationalen Drogenökonomie.13 Im Vergleich zu anderen illegalen Akitivitäten bringt die Drogenindustrie weltweit den größten Profit und so ist es nicht verwunderlich, dass sich Terrororganisationen zunehmend oder sogar hauptsächlich durch den Drogenhandel finanzieren.1415 Diese Tatsache stellt eine deutliche Bedrohung für die Sicherheit und Stabilität der bereits fragilen Staaten der Region da, aber auch Länder Europas spüren diese Folgen.16

Bisherige Gegenmaßnahmen konnten jedoch nicht erfolgreich zur Verbesserung der Situation beitragen. Präventive Schritte müssen weiter verbessert und Rehabilitationsprojekte für Suchtkranke gefördert werden. Terrorismus muss als zentraler Bestandteil der internationalen Drogenindustrie in den Fokus nationaler und internationaler Aufmerksamkeit rücken. Zentral bleibt aber auch ein verbessertes Management der Nachfrage. Sowohl die Produktion als auch der Transport der Drogen kann hauptsächlich auf die Nachfrage der Länder des Globalen Nordens zurückgeführt werden. Auch hier müssen präventive Projekte wie Rehabilitationsmaßnahmen verbessert und Stigmata gegen Abhänige abgebaut werden. Derzeit beschäftigen sich die meisten Maßnahmen oft mit einer Regulierung in Herstellungs- und Transitländern, anstatt am Verbraucherende der Kette anzusetzen. Das ist nicht nur für die Stabilität und Sicherheit bei uns, sondern insbesondere auch in den Transitstaaten fatal und wird in Zukunft noch weitreichendere Folgen haben.

  1. UNDOC: Afghanistan Opium Survey 2017; aufgerufen am 03.09.2018 []
  2. EMCDDA: Opioid trafficking routes from Asia to Europe; aufgerufen am 14.09.2018 []
  3. Washington Institute: Drug Trafficking and Middle Eastern Terrorist Groups: A Growing Nexus?; Artikel vom 25.07.2008 []
  4. UNDOC: Afghan Opiate Trafficking through the Southern Route; aufgerufen am 14.09.2018 []
  5. UNDOC: Middle East and North Africa; aufgerufen am 14.09.2018 []
  6. Independent: Isis and al-Qaeda are little more than glorified drug cartels, and their motivation is money not religion; Artikel vom 16.04.2017 []
  7. New York Times: The Role of Drug Trafficking and Money Laundering in Fighting ISIS; Artikel vom 23.11.2015 []
  8. New York Times: Scaling Up a Drug Trade, Straight Through ISIS Turf; Artikel vom 13.09.2016 []
  9. UN: Terrorism financing; aufgerufen am 17.09.2018 []
  10. UNDOC: Drug trafficking and the financing of terrorism; aufgerufen am 17.09.2018 []
  11. FBI: Testimony; aufgerufen am 17.09.2018 []
  12. UN: Illicit Drug Trafficking Fuels Terrorism, Undermines Development, Says Secretary-General in Message to Ministerial Conference; Artikel vom 23.04.2015 []
  13. USAID: The Development Response to Drug Trafficking in Africa: A Programming Guide; aufgerufen am 18.09.2018 []
  14. EUISS: Drug trafficking in the MENA; aufgerufen am 14.09.2018 []
  15. UN: Illicit Drug Trafficking Fuels Terrorism, Undermines Development, Says Secretary-General in Message to Ministerial Conference; Artikel vom 23.04.2015 []
  16. UNDOC: UNODC tackles drug trafficking across regions; aufgerufen am 14.09.2018 []

Über Lucy / earthlink

Ich studiere und lebe in Berlin. Im Rahmen meines Bachelors Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin mache ich derzeit bei earthlink ein Praktikum und arbeite bei den Projekten "Fluchtgrund" und "DrogenMachtWeltSchmerz" mit.
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