Thailand: Wie der Tourismus den Drogenhandel- und konsum fördert

Yaba ist in Thailand weit verbreitet und gehört dort zu den meistkonsumierten Drogen

Yaba ist in Thailand weit verbreitet und gehört dort zu den meistkonsumierten Drogen. | Bild: © Labib Ittihadul [CC BY 2.0] - Flickr

Weiße Strände, strahlender Sonnenschein und das ewige Lächeln auf den Gesichtern der Menschen- Thailand ist nicht ohne Grund eines der beliebtesten Reiseziele der Europäer. Was vielen nicht bewusst ist: In Thailand leiden viele der lächelnden Menschen an Drogenproblemen.

Drogen sind eine riesige Herausforderung in dem südostasiatischen Land. Einerseits, weil Thailand einer der wichtigsten Transitstaaten für den Drogenhandel aus den Nachbarländern Laos und Myanmar in den Rest der Welt ist. So konnten beispielsweise knapp 7000 Kilogramm Drogen im Wert von mehreren Billionen Bhat- umgerechnet mehr als 26.000.000 Euro- durch das Narcotics Suppression Bureau (NSB) sichergestellt werden.1 Andererseits nimmt der Konsum im Land selbst immer weiter zu. Speziell junge Menschen verfallen den Rauschmitteln. Das führt unter anderem zu Familienproblemen und Kriminalität. Daneben sind aber auch gerade arme Arbeiter, die hart arbeiten und viele Überstunden machen, von der Drogensucht betroffen. Besonders häufig sind die Menschen von der Droge Yaba abhängig, einem billigen Verschnitt von Amphetaminen und Koffein.2

Problematisch am Drogenkonsum ist neben den physischen und psychischen Folgen für den Einzelnen vor allem der extrem strikte Umgang der Polizei mit der Problematik. So werden die Rauschgifte nach dem thailändischen Drogengesetz in sieben Kategorien gegliedert.3 Je nach Art und Menge der Substanz wird die Strafe angeglichen. Erstaunlich ist dabei die unterschiedliche Behandlung von Drogendelikten. Folglich werden der Besitz von kleinsten Mengen von Heroin, Kokain, Haschisch oder Amphetaminen durch einen Thai mit jahrelanger Haft bestraft- größere Mengen sogar mit der Todesstrafe. Dabei werden nicht nur Händler, sondern auch die Abhängigen selbst zur Rechenschaft gezogen. Als Konsequenz daraus ergibt sich, dass fast 70 Prozent der Insassen in thailändischen Gefängnissen Drogenabhängige oder -kriminelle sind.2 Wird hingegen ein Tourist im Besitz eines Rauschgifts erwischt, ist von einer etwas milderen Behandlung aus zu gehen. So haben zahlreiche seriös erscheinende Reiseinformationswebsites dazu geraten, den jeweiligen Polizisten zu bestechen. Unter anderem wurde genau ausgeführt, wie hoch der monatliche Verdienst eines Polizeibeamten ist und wie hoch dazu im Vergleich die vorgeschlagene Bestechungssumme sein muss, um den Beamten dazu zu bringen, das Delikt unter den Tisch fallen zu lassen. Solch eine ungerechte nur auf Geld bezogene Behandlung zwischen Einheimischen und Touristen ist unvorstellbar.

Der Tourismus ist ohne Frage der wichtigste Wirtschaftssektor.4 Kritisch dabei ist, dass viele Touristen nach Thailand kommen, weil es dort besonders einfach ist, an Drogen zu kommen. Beispielsweise ist das Backpacker-Mekka, die Khao San Road im Herzen Bangkoks, ein wahrer Drogen- Hotspot. Ein noch viel größerer Hotspot für Rauschmittel sind die monatlichen „Full-Moon-Partys“ auf der Insel Koh Phangan im Golf von Thailand.5 Hier versammeln sich zu jedem Vollmond rund 30.000 Partywütige aus aller Welt, um gemeinsam zu feiern. Dass bei Feiern in einem solchen Ausmaß der Konsum an Drogen nicht gerade gering ist, ist nicht in Frage zu stellen.

Der Stellvertretende Chef der NSB, Maj Gen Thanai Apichartsene, bemerkt, dass die Drogenproduktionsländer um Thailand herum „nur so viel produzieren, um der weltweiten Nachfrage gerecht zu werden“.6 Dass der Partytourismus den Drogenhandel- und Konsum in Thailand fördert, ist leider bittere Realität. Daher gilt es den Drogenkonsum besonders für die Touristen im Land weiter zu erschweren, sodass der Umgang mit Rauschmitteln in Thailand selbst langfristig abnehmen kann.

  1. The Sun Daily: Thailand battles with record amount of drug seizures; Artikel vom 15.02.2018 []
  2. SRF: Drogenproblem in Thailand nicht gelöst; Artikel vom 16.09.2016 [] []
  3. The Thailand Life: Narcotic & Psychotropic Drug Laws Know the Facts Before You Travel; Stand 2018 []
  4. News.com: The dark Sideof Tourism in Thailand; Artikel vom 12.08.2017 []
  5. Facts and Details: Full Moon Parties, Drugs, Sex Tourism, Dead Tourists and the Dark Side of Thai Tourism; Stand Mai 2014 []
  6. The Sun Daily: Thailand battles with record amount of drug seizures; Artikel vom 15.02.2018 []

Über Sonjara / earthlink

Ich studiere in München Ethnologie und Rechtswissenschaften. Dank meines Studiums habe ich gelernt die Welt nicht nur mit den eigenen Augen zu betrachten, sondern die Realität aus verschiedenen Blickwinkeln wahrzunehmen. Ich mache hier ein Praktikum, um dieses Wissen sowie meine Erfahrungen durch Auslandsaufenthalte im Rahmen der Projekte anzuwenden und so auch mich selbst weiter zu entwickeln.
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