Wie die USA das Drogengeschäft in Laos in Gang setzten

Laos Opium

Frau in Laos, die Mohnblumen verkauft | Bild: © Thierry Leclerc [CC BY-ND 2.0] - flickr

Donald Trump, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, veröffentlichte diese Woche eine Liste mit 21 Ländern, die er als Hauptproduktions- und Transitstaaten illegaler Drogen einstuft. Diese Länder vereinen eine Kombination aus geographischen und wirtschaftlichen Faktoren, die trotz eventueller staatlicher Betäubungsmittelkontrollmaßnahmen zur Herstellung und zum Handel von Drogen führen. Unter diesen Staaten befinden sich auch Myanmar und Laos, zwei der drei Länder des Goldenen Dreiecks in Südostasien.1

Bis in die 2000er war Laos der drittgrößte illegale Schlafmohnproduzent der Welt und wies eine der höchsten Opiumabhängigkeitsraten auf. Dabei „profitiert“ das Land von seinen porösen Grenzen zu insgesamt fünf Ländern, insbesondere vom Dreiländerdreieck im Norden mit Myanmar und Thailand.23 Die USA und die CIA trugen ihren Teil zu dieser Entwicklung bei.

In den 50ern begann eine bis 1974 andauernde US-Militärintervention in Laos. Insbesondere im Zuge des Vietnamkriegs war es das Ziel der Amerikaner, Nordvietnam von Nachschublieferungen abzukapseln und die Unterstützer in den Nachbarländern zu demoralisieren.  Im Zuge dessen warfen die USA mehr als zwei Millionen Tonnen Bomben über Laos ab – das ist eine Flugzeugladung, alle acht Minuten, neun Jahre lang und eine Tonne pro Einwohner. Damit ist Laos das Land, das in der gesamten Geschichte weltweit am schwersten bombardiert wurde – und das ohne selbst direkt Teil des Konfliktes gewesen zu sein. Da bis zu 80 Millionen der insgesamt 270 Millionen kleinen „bombies“ beim Aufprall nicht detonierten, ist das Gebiet bis heute von Blindgängern übersät. Diese Bombardierung der laotischen Zivilbevölkerung wurde in den USA selbstredend geheim gehalten – ebenso wie die Verwicklung der CIA in den Opiumhandel vor Ort.4

1971 beispielsweise lies die CIA regelmäßig die Opiumernte aus den Bergen von Laos ausfliegen, um die lokalen Führer ihrer antikommunistischen Geheimarmee wirtschaftlich zu unterstützen. Dieses Opium landete schlussendlich in Vietnam, wo es die Heroinindustrie florieren lies, viele amerikanische Soldaten süchtig und mit den USA verbündete Politiker und Militärpersönlichkeiten reich und mächtig machte. Der amerikanische Historiker Alfred McCoy fasst in seinem Buch „Die CIA und das Heroin: Weltpolitik durch Drogenhandel“ treffend zusammen: „Da diese Geheimkriege außerhalb der normalen diplomatischen Kanäle geführt werden, bleibt der Wiederaufbau jenseits der Sphäre konventioneller Diplomatie. Statt in den Genuss internationaler Hilfe zu kommen, haben diese ehemaligen CIA-Schlachtfelder – Birma, Laos, Afghanistan – ihre Opiumproduktion als Ad-Hoc-Mittel des Wiederaufbaus ausgeweitet.“5 In Folge dessen wurde Laos so also drittgrößter Opiumproduzent der Welt.

Zwar setzten sich die Vereinigten Staaten ab 1989 gegen Drogen ein und stellten finanzielle Mittel für die Opiumbekämpfung bereit, sodass sich Laos 2006 für opiumfrei erklären konnte.  Doch trotzdem ist das Land heute wieder bedeutsames Absatzgebiet für Designerdrogen, Metamphetamin, Heroin und auch für Opium. Davon sind besonders die ländlichen Gebiete betroffen. Allein der geschätzte Schlafmohnanbau beläuft sich 2015 auf 5.700 Hektar und produziert damit potenziell 84 bis 176 Tonnen Opium. Zudem konzentrieren sich viele kriminelle Gruppen des Goldenen Dreiecks zunehmend auf die Herstellung synthetischer Drogen, sodass auch das Problem des Methamphetamins in Laos wächst. 2016 beschlagnahmte die laotische Polizei unter anderem mehr als 1869 Kilogramm Amphetamin, 188 Kilogramm Heroin, 425 Kilogramm Cannabis und 144 Kilogramm Crystal Meth. Die zahlreichen rechtsfreien Räume in Laos aber auch Myanmar bieten kriminellen Vereinigungen eine sichere Umgebung für die Produktion und den Vertrieb großer Mengen synthetischer Drogen, das zeigt auch der Welt-Drogenbericht des UNODC 2017. Die wichtigsten Faktoren für die organisierte Kriminalität und die Drogenproduktion im Mekong-Delta sind dabei weiterhin Korruption und ausländische Bestechung, die auch die weitere sozioökonomische Entwicklung behindern.6789

Die grundlegenden Entwicklungsprobleme in der Region, zu denen die USA maßgeblich beigetragen haben, werden zu lösen sein, damit das Angebot illegaler Drogen nicht nur gestört, sondern verhindert wird. Projekte in diese Richtung werden gerade vom UNODC in Zusammenarbeit mit der Regierung getestet. Solange die Bauern aus Schlafmohn oder Methamphetamin mehr Geld machen können als mit anderen Agrarprodukten, wird das Problem weiter bestehen. Und solange auch kriminelle Gruppen in ihrer Umgebung ungestraft handeln können, wird sich nichts ändern.10

  1. The Economic Times: Donald Trump identifies India among 21 major illicit drug producing, transit countries; Artikel vom 12.09.2018 []
  2. UNODC: Lao People’s Democratic Republic; Aufgerufen am 12.09.2018 []
  3. Neue Züricher Zeitung: Das goldene Drogen-Dreieck lebt; Artikel vom 15.06.2017 []
  4. National Geographic: Laos: Die Früchte des Krieges; Aufgerufen am 12.09.2018 []
  5. Deutschlandfunk: Drogenkrieg à la CIA; Artikel vom 02.05.2016 []
  6. National Geographic: Laos: Die Früchte des Krieges; Aufgerufen am 12.09.2018 []
  7. Australian Strategic Policy Institute: Drug production in Laos and Myanmar still a major threat; Artikel vom 23.01.2018 []
  8. CIA World Fact Book: Laos; Aufgerufen am 12.09.2018 []
  9. J&C Services: Drug Abuse, Illicit Trafficking Still Major Problem In Laos; Artikel vom 29.06.2017 []
  10. Australian Strategic Policy Institute: Drug production in Laos and Myanmar still a major threat; Artikel vom 23.01.2018 []

Über Mirjam / earthlink

Da die Kluft zwischen Arm und Reich - nicht nur in Deutschland, sondern auch zwischen Industrienationen und Entwicklungsländern - immer größer wird und vielfältige Konsequenzen mit sich trägt, studiere ich Politikwissenschaft und Soziologie und versuche nun auch praktisch bei earthlink etwas Positives zu bewirken.
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