Belize leidet unter seiner Rolle als Drogentransitstaat

Ein U.S. Helikopter auf der Suche nach Drogenschmugglern vor Belizes Küste | Bild: © Gonzalo Alonso [CC BY-NC-ND 2.0] - flickr

Der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, hat Mitte des letzten Monats 21 Nationen als große illegale Drogenproduktions- oder Transitstaaten definiert, inklusive des mittelamerikanischen Landes Belize. Der Grund dafür, dass der Präsident Länder auf die Liste setzt, hängt von der Kombination aus geographischen, kommerziellen und wirtschaftlichen Faktoren ab, die dort den illegalen Drogenhandel ermöglichen.

Ganz unberechtigt ist der Einwand des Präsidenten nicht. Belize ist seit Jahren einer der wichtigsten Transitstaaten für den Drogenschmuggel von Südamerika in die USA. Kürzlich konnten illegale Substanzen im Wert von rund sieben Millionen US- Dollar sichergestellt werden1. Die Haupthandelsrouten führen dabei über See- und Luftwege- die Produktion von Suchtmitteln hingegen spielt eine untergeordnete Rolle. Die am weitesten verbreitete Droge ist Marihuana: Obwohl der Besitz des Rauschmittels generell toleriert wird- bis zu zehn Gramm mit sich zu tragen ist keine Straftat- sind der Konsum, der Anbau oder der Handel strengstens verboten. Trotz des Verbots wurde Belize in dem Internationalen Drogenkontrollbericht 2018 des US- Außenministeriums als eines der größten Drogenhandels- und Geldwäscheländer bezeichnet2.

Die Gründe für den Status des Landes als Transitstaat sind vielseitig. Der wohl wichtigste Aspekt ist die zentrale Lage zwischen den USA, einem der Hauptabsatzmärkte für Drogen, und den Produktionsländern in Südamerika. Hinzu kommt, dass weite Teile des Landes -besonders nahe der Grenze zu Guatemala -unbevölkert sind und auch der lange, von vielen Inseln gesäumte Küstenabschnitt, kaum kontrolliert wird3. An der Kontrolle mangelt es, da Belize keine Luftverteidigung hat und die Möglichkeiten Flugzeuge bei Nacht zu überwachen sehr begrenzt sind. Die entlegenen Dschungelabschnitte bieten nicht nur ideale Voraussetzungen für den Handel- auch für den Anbau von Cannabispflanzen bieten sie gute Bedingungen. Ein weiterer Punkt ist die hohe Anfälligkeit Belizes für Geldwäsche: Eine mangelnden Durchsetzung der Gesetze und Vorschriften, ein sehr strenges Bankgeheimnis und eine schwache Strafverfolgung machen das Einschleusen illegal erwirtschafteten Geldes in den legalen Finanzkreislauf einfach. Dementsprechend attraktiv ist Belize für Drogenbosse aus aller Welt. So bilden Drogenhandel und Steuerhinterziehung meist den Ursprung des illegalen Geldes. Des Weiteren lässt die Regierung finanzielle Aktivitäten zu, die Geldwäsche begünstigen: wie Offshore- Banken oder internationale Unternehmen4. Abgesehen davon grenzt Belize an Länder, in denen der Schmuggel von gut organisierten und extrem gewalttätigen Drogenbanden kontrolliert wird.

Die Folgen sind weitreichend. Trotz des genannten Verbots ist der Konsum von Rauschmitteln stark angestiegen. Hinzu kommt eine Zunahme von Kriminalität und Gewalt: Eine Studie des National Drug Abuse Control Cousil zeigt, dass knapp 60 Prozent der Gefängnisinsassen wegen der Verstrickung in Geschäfte mit illegalen Drogen inhaftiert wurden5. Auch der Anbau von Cannabis hat zugenommen. In den ersten zehn Monaten des Jahres 2015 haben belizische Beamte rund 50.000 Cannabispflanzen vernichten können. Daneben spitzt sich die Korruption immer weiter zu. Schwache Strafverfolgung, ein ineffektives Justizsystem sowie die schlechte Bezahlung der Polizeibeamten fördern grundsätzlich die Korruption im Land. Die Bestechung im Bezug auf Drogengeschäft ist jedoch in den letzten Jahren nochmals enorm angestiegen. Das liegt vor allem an der Zunahme des Schmuggels durch das Land und daran, dass es kaum Gesetze gibt, die sich speziell mit Korruption im Bezug auf Drogen beschäftigen3.

Zwar verbessert die Regierung die Technologie der Polizei, um eine umfassendere Überwachung der Schmugglerrouten auch durch entlegene Teile des Landes zu garantieren, dennoch ist davon auszugehen, dass der Kampf gegen den Handel mit illegalen Drogen noch lange andauern wird.

Die Regierung Belizes hat für Anfang 2019 eine Debatte über die Entkriminalisierung von Cannabis angesagt. Demnach würde Cannabis zwar nicht legal werden, eine Strafverfolgung wegen Konsums würde jedoch wegfallen. Die Frage, ob so der Rolle Belizes als Drogentransitstaat und dem Missbrauch im Land entgegengewirkt werden kann, bleibt offen.

  1. Breaking Belize News: Trump declares 21 countries as major drug „hubs“ including Belize; Artikel vom 12.09.2018 []
  2. The San Pedro Sun: International Report marks Belize as major drug trafficking and money laundering country; Artikel vom 11.04.2018 []
  3. U.S. Department of State: Belize; Aufgerufen am 05.10.2018 [] []
  4. The San Pedro Sun: International Report marks Belize as major drug trafficking and money laundering country; Artikel vom 11.04.2018 []
  5. TNI: Belize; Aufgerufen am 05.10.2018 []

Über Sonjara / earthlink

Ich studiere in München Ethnologie und Rechtswissenschaften. Dank meines Studiums habe ich gelernt die Welt nicht nur mit den eigenen Augen zu betrachten, sondern die Realität aus verschiedenen Blickwinkeln wahrzunehmen. Ich mache hier ein Praktikum, um dieses Wissen sowie meine Erfahrungen durch Auslandsaufenthalte im Rahmen der Projekte anzuwenden und so auch mich selbst weiter zu entwickeln.
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