Steigende Kokainproduktion gefährdet kolumbianischen Friedensprozess

FARC Rebellen Kolumbien

FARC-Rebellen in Kolumbien | Bild: © Generación Paz [ (CC BY 2.0)] - flickr

Kolumbiens Marine hat in der ersten Augusthälfte zwei sogenannte „Narcosubs“ – Drogen-U-Boote – abgefangen. Damit beläuft sich die aktuelle Zahl dieses Jahr nun auf 14 und hat sich im Vergleich zum vergangenen Jahr mehr als verdreifacht. Die Zahl der steigenden Beschlagnahmungen geht aber auch mit einer erhöhten Produktion von Kokain in Kolumbien einher. Diese erreichte in der letzten Zeit von Jahr zu Jahr einen neuen Rekordwert.

Jüngste Schätzungen der Vereinten Nationen vom 19. September zeigen, dass die Kokainproduktion in Kolumbien im Jahr 2017 auf 1379 Tonnen angestiegen ist. Damit hat sie die 1053 Tonnen aus dem Jahr zuvor noch übertroffen. Auch die Anbaufläche ist von 145 Millionen Hektar auf  171 Millionen Hektar gewachsen. Kolumbien ist ohnehin seit Jahren der weltweit größte Produzent von Kokain. Trotzdem steigen sowohl die Zahlen für den Kokaanbau als auch für die Kokainproduktion weiter.

Das erste im August abgefangene U-Boot transportierte mehr als zwei Tonnen Drogen – das zweite knapp 1750 Kilogramm Kokain. Jede dieser Lieferungen hat einen Wert von mehreren Millionen US-Dollar, die erste Augustlieferung beispielsweise ist 66 Millionen US-Dollar wert. Dazu kommen Kosten von circa einer Million US-Dollar für den Bau eines solchen U-Bootes. Die logistischen Netzwerke dieser kriminellen Gruppen werden zusätzlich dadurch geschwächt, dass im Zuge der Ermittlungen in diesem Jahr bereits 115 Personen verhaftet wurden.1

Zudem startete die kolumbianische Marine Mitte August eine weitere Operation, die die Präsenz nahe der panamaischen Grenze erhöhen soll. Deren Ziel ist es, die Drogenrouten an der Pazifikküste Kolumbiens zu schließen. Daher wurde eine Gruppe von 350 Einheiten eingesetzt, die darüber hinaus Luftunterstützung von der Pacific Naval Aviation Group erhalten. Auch sie erzielte direkt zu Beginn einen Erfolg, indem zwei Anführer des Clan del Golfo festgenommen werden konnten. Daneben wurden auch hier knapp 1500 Kilogramm Kokain und 223 Kilogramm Marihuana in nur einem Einsatz konfisziert.2

Präsident Iván Duque kritisiert nun auch das Friedensabkommen mit den FARC. Er betont, dass er die Vereinbarung keineswegs zerstören wolle, aber, dass dieser Frieden nicht zu einem exponentiellen Wachstum illegaler Pflanzen wie der Kokapflanze führen könne. Er möchte, dass Menschen, die Verbrechen wie Drogenhandel begangen haben, nicht länger Amnestie für ihre Taten gewährt wird. Auch ehemalige Rebellen, die wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt wurden und nun im Kongress sitzen, sollen gezwungen werden, diesen zu verlassen.3

Es bleibt offen, wie sich Äußerungen wie diese auf den Friedensprozess im Land auswirken werden.

  1. Business Insider: Colombia’s cocaine production is at an all-time high, and the country’s navy keeps catching ’narco subs‘; Artikel vom 27.09.2018 []
  2. Diálogo: Colombia Launches Operation to Close Narcotrafficking Routes; Artikel vom 01.10.2018 []
  3. The Washington Post: Colombia’s president on a wobbly peace with the FARC; Artikel vom 27.09.2018 []

Über Mirjam / earthlink

Da die Kluft zwischen Arm und Reich - nicht nur in Deutschland, sondern auch zwischen Industrienationen und Entwicklungsländern - immer größer wird und vielfältige Konsequenzen mit sich trägt, studiere ich Politikwissenschaft und Soziologie und versuche nun auch praktisch bei earthlink etwas Positives zu bewirken.
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