Ist Glyphosat der einzige Weg, die Kokainproduktion in Kolumbien zu hemmen?

Bild: © Lee [CC BY-NC-ND 2.0] - Flickr

Immer weiter gerät Kolumbien unter Druck durch die Vereinigten Staaten. US-Präsident Trump fordert den Andenstaat auf,  die Verbreitung der Kokainproduktion zu stoppen. Obwohl die Spannungen sich zuspitzen, gehören die USA an die obersten Stelle der Kokainabnehmer. Die Sorge um den ansteigenden Handel ist damit zu begründen, dass bereits letztes Jahr über Guatemalas Grenze 14.000 Tonnen Kokain erfolgreich durchgeschmuggelt wurden. Alarmierend ist weiterhin, dass dieses Jahr Sicherheitskräfte bereits 13.7 Tonnen Kokain beschlagnahmt haben. Die Menge, die die Grenze überschreitet, ist um ein Vielfaches größer.1

Obwohl es zwischen der FARC und der kolumbianischen Regierung ein Friedensabkommen gibt, das den Kokabauern Landrechte zuweist und eine Alternative wie Kakao oder Kaffee anbietet, steigt die Kokainproduktion weiter. Kolumbien ist verantwortlich für 68 Prozent des weltweiten Kokainhandels. Ein Jahr nach der Unterzeichnung wurden 171.000 Hektar benutzt, um Koka anzubauen. Das entspräche einer Menge von 1.379 Tonnen Kokain. Dieses Jahr soll der Flächenausbau auf 209.000 Hektar angestiegen sein. Der Kokainhandel betrifft mehrere Akteure: Zum einen steht in der Mitte der Kette die Abhängigkeit der Kokabauern. Auf beiden Seiten werden sie dazu gedrängt, einerseits Koka weiter anzubauen (FARC) und andererseits zu stoppen (Regierung). Die FARC setzt die Bauern unter Druck, indem sie Steuern verlangt. Kolumbiens Militär droht, die Einkommensquelle der Bauern mit Gewalt zu zerstören und rechtfertigt diese auch noch. Der Konflikt ist so groß, dass letztes Jahr mehrere Kokabauern protestierten und vom Militär angeschossen wurden mit dem Resultat, dass sieben Menschen ums Leben kamen. Damit die Kokabauern nicht alles verlieren, tarnen sie ihre Plantagen, indem sie legale cashcrops ebenfalls anbauen.23  

Die Situation in Kolumbien macht es der Regierung nicht leicht, den Drogenschmuggel zu unterbinden. Zu ihren aktuellsten Programmen gehört eine Drohne, die dafür sorgen soll das großflächige Kokaplantagen ausgeräuchert werden. Die „neue“ Alternative zur Bekämpfung soll vielversprechend sein, da sie innerhalb von 10-15 Minuten bis zu 20 Äcker am Tag zerstören kann. Bei einem Testflug einer Drohne wurde verzeichnet, dass 90 Prozent des Kokas auf einem Feld vernichtet worden sind. Die Drohnen können auf niedrigen Höhen operieren und tragen weniger Glyphosat mit sich. Ebenfalls soll damit dem Militär die Prozedur erleichtert und eine höhere Sicherheit garantiert werden. Seit 2006 wurden mehr als 60 Polizisten Opfer von Landminen und 400 wurden verwundet, während sie nach Kokaplantagen Ausschau hielten.456

Die neue Strategie löst bei FARC und Kokabauern keine große Begeisterung aus. Die Drohnen müssen teilweise von Soldaten begleitet werden, da Milizen versuchen sie abzuschießen. Ebenso begegnen viele Staaten der Idee mit Misstrauen, weil Drohnen bekanntlich dazu dienen, Tränengas zu transportieren oder Informationen zu sammeln.7

Obwohl die Drohnen der Polizei helfen sollen, birgt das verwendete Pflanzengift Glyphosat seine Risiken. Weil die WHO 2015 die Ansicht verbreitete, dass der Stoff möglicherweise Krebs auslöst, wurden Kolumbiens frühere Projekte gestrichen. Obwohl der Neuansatz gegen den Friedensvertrag von 2016 verstößt, behauptet der Verteidigungsminister, dass die Gefahr, die vom Glyphosat ausgeht, geringer sei, verglichen mit dem Kokain.89

Kolumbiens Vorgehen wird aber nicht von jedem gut geheißen. Einige argumentieren, dass andere Pflanzen von der Chemikalie betroffen sein könnten, inklusive Gewässer und Insekten. Die Folgen sind gefährlich, denn Insekten sind wichtig für das Ökosystem. Glyphosat soll bei Tieren Krebs auslösen, aber es gibt nicht genügend Beweise, ob dies auch bei Menschen zutrifft. Zu den bekanntesten Pflanzengiftherstellern gehört der Konzern Monsato, der vor kurzem 286 US-Dollar als Strafe an ein Opfer zahlen musste, bei dem Krebs diagnostiziert wurde. Es ist fraglich, ob diese neue Methode das Ergebnis erbringt, das sich die Regierung erhofft. Kokabauern werden von beiden Seiten in die Enge gedrängt.1038

  1. Spiegel Online: Mehr als zwei Tonnen Kokain aus Kolumbien beschlagnahmt; 05.11.2018 []
  2. irishtimes: Cocaine production in Colombia reaches record high, says UN; 20.08.2018 []
  3. The city paper: Drones: Colombia’s new air warriors join fight in eradicating coca; 10.07.2018 [] []
  4. cbs news: Drones considered in fight to curb cocaine production; 19.04.2018 []
  5. BBC: Drones hunt cocaine farms in Colombia; 21.08.2018 []
  6. KUNC: Colombia Is Growing Record Amounts Of Coca, The Key Ingredient In Cocaine; 05.11.2018 []
  7. The city paper: Drones: Colombia’s new air warriors join fight in eradicating coca; 10.07.2019 []
  8. Telesur: Colombia Justifies Use of Drones in Glyphosate Fumigations; 05.09.2018 [] []
  9. The Irish Times: Cocaine production in Colombia reaches record high, says UN; 20.09.2018 []
  10. cbs news: Drones considered in fight to curb cocaine production; 19.04.2018 []

Über Maria / earthlink

Hallo ich bin die Maria. Ich studiere Politikwissenschaft, Amerikanistik und Geschichte. Die Internationale Politik ist für mich interessant, deswegen mache ich bei Earthlink mein Praktikum.
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