Opium-Produktion rückläufig in Myanmar – jedoch weltweit steigend

Myanmars Regierungschefin Aung San Suu Kyi

Myanmars Regierungschefin Aung San Suu Kyi | Bild: © Claud TRUONG-NGOC [CC BY-SA 3.0] - Wikimedia Commons

Myanmar ist nach Afghanistan der zweitgrößte Produzent von Opium und dem daraus gewonnenen Heroin. Seit 2015 lässt sich allerdings ein Trend beobachten, der diesen zweifelhaften Spitzenplatz „gefährden“ könnte. Wie das UNODC am 11. Januar 2019 bei der Vorstellung ihres „Myanmar Opium Survey 2018“ in Yangon, der größten Stadt des Landes, mitteilte, ging die Kultivierung von Schlafmohn – der Basispflanze für die Opiumproduktion – im Jahre 2018 um 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück: Während 2017 noch auf 41.000 Hektar angebaut wurde, bewirtschafteten die Bauern im letzten Jahr nur noch 37.300 Hektar mit der gewinnträchtigen Pflanze. Damit sank die Opium-Produktion, bei der im Jahr 2018 14 Kilogramm pro Hektar abfielen, von 550 Tonnen auf 520 Tonnen. Es scheint also so zu sein, dass die aus den Wahlen von 2015 hervorgegangene, eine 50 Jahre andauernde Militärherrschaft ablösende Regierung unter der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, die sich die Drogenbekämpfung als eines ihrer Haupanliegen auf die Fahnen geschrieben hat, erste kleine Erfolge feiern kann. Davon abgesehen verwies der Bericht auf die nach wie vor enge Interdependenz zwischen Opium und Konflikten. So ist das größte Ausmaß an Gewalt in den beiden Hauptanbauregionen Shan und Kachin zu verzeichnen. „Die tief verwurzelte Armut und die Kultivierung von Opium in Myanmar sind eng miteinander verwoben. Die armen Opium-anbauenden Gegenden brauchen eine verbesserte Sicherheit und nachhaltige ökonomische Alternativen“, sagt Troel Vester, Regionalmanager des UNODC. Kriminelle Gruppen, so der Experte weiter, würden unstabile und unsichere Teile des Landes dazu benutzen, Geschäfte zu machen, und ohne diese Gesetzlosigkeit zu adressieren, seien diese Gegenden weiterhin ein sicherer Hafen für diejenigen, die vom Drogenhandel profitieren.1234

Im Nachbarland Thailand, welches wie Myanmar und Laos im sogenannten Goldenen Dreieck liegt, in dem der Mohn-Anbau Tradition hat, zeigt sich dieser Rückwärtstrend sogar noch deutlicher. „Als ich hier aufwuchs, haben die Bergstämme oft Schlafmohn angebaut“, sagt James Surapol, der heute ein Gemeindezentrum bei Mae Salong im Norden des Landes leitet. „Und heute?“, fragt er. „Man findet kein Mohnfeld weit und breit!“ Lediglich 800 Hektar sollen in diesen Tagen offiziellen Schätzungen zufolge noch in dem südostasiatischen Land angebaut werden. Doch wie konnte die Lücke geschlossen werden, die durch den Rückgang der Schlafmohn-Kultivierung entstand? Die Antwort lautet: Tee. Als die thailändische Regierung begonnen hat, nach Alternativen zum Opium zu suchen, wurde sie in Taiwan fündig. Die dortigen klimatischen und geologischen Verhältnisse ähneln den thailändischen und so lud der (erst kürzlich verstorbene) Langzeit-Monarch König Bhumipol Experten des Inselstaates ein, welche die hiesigen Bauern in die Geheimnisse des Teeanbaus und der -produktion einweihten. „Der Tee ist unser neues Gold“, fasst Surapol die erfreuliche Entwicklung zusammen.56

Doch dieser Trend, der sich auch in den neuen veröffentlichten Zahlen des „Myanmar Opium Survey 2018“ widerspiegelt, sollte nicht darüber hinweg täuschen, dass ein schlafender Riese im Begriff ist sich zu erheben beziehungsweise auch schon munter unterwegs ist. Die Rede ist von Methamphetamin. Die UNODC spricht von einer „signifikanten Transformation“, die sich in den letzten Jahren dahingehend ereignet hat, dass die Produktion der synthetischen Droge „alarmierende Ausmaße“ erreicht hat, während die Opium- und Heroinproduktion in der Mekong-Region, die Myanmar, Thailand, Laos, Kambodscha und Vietnam umfasst, rückläufig ist. Der Erfolg der neuen Substanz hängt auch damit zusammen, dass sie im Vergleich zu ihren pflanzenbasierten Vorgängern relativ einfach und kostengünstig herzustellen ist, während ein Adressieren der Produzenten schwierig ist, weil deren geheime Labore meist abgeschieden liegen und zudem mobil sind. In Zahlen lässt sich diese Entwicklung gut anhand der Beschlagnahmung illegaler Methamphetamin-Lieferungen ablesen: Zwischen 2008 und 2013 vervierfachte sich der Wert nahezu von 11 Tonnen auf 42 Tonnen. Insgesamt wird der Drogenmarkt in der Mekong-Region auf 40 Milliarden Dollar geschätzt.789

Betrachten wir die Situation rund um das Opium hingegen global, besteht kein Grund zur Entwarnung. Im Gegenteil: Die aktuellen Erhebungen des Statistik-Portals „statista“ für die Jahre 1999 bis 2017 verzeichnen ein Rekordhoch in der Opium-Produktion für das Jahr 2017. 10.500 Tonnen sollen insgesamt hergestellt worden sein. (Zum Vergleich: Der Mindestwert in dieser Zeitspanne liegt bei 1.630 Tonnen im Jahr 2001). Wenn also auch die Opium-Herstellung im Goldenen Dreieck zurückgeht, so schließen andere Länder wie zum Beispiel Afghanistan die Lücke (und noch darüber hinaus). Man könnte sich an Herakles‘ Kampf mit der Hydra erinnert fühlen: Sobald er ihr mit seiner Keule einen Kopf abgeschlagen hat, wuchsen aus der Wunde sogleich zwei neue Köpfe nach. Woran liegt also diese scheinbare Unüberwindbarkeit des Opium-Wuchers? „Ohne Opium, kein Empire“ – auf diese Kurzformel bringt es die Finanzanalyse des britischen Weltreichs im 18. und 19. Jahrhundert von Professor Carl A. Trocki. Tatsächlich scheint diese Analyse des amerikanischen Historikers auch auf die Hegemonialmächte des 20. und 21. Jahrhunderts anwendbar zu sein. „Heroin ist ein Multi-Billionen-Dollar-Geschäft, unterstützt von machthungrigen Interessen, welches einen stetigen und sicheren Nachschub erfordert. Eine der versteckten Ziele des Krieges [gegen Afghanistan, Anm. des Autors] war es, den von der CIA gesponserten Drogenschmuggel zu historischen Höhen zu entwickeln und direkten Einfluss auf die Drogenkanäle zu nehmen“, analysiert die amerikanische Journalistin Abby Martin. „Die US-Geheimdienste und andere internationale Sicherheitsdienste bekämpfen nicht den Drogenhandel, sie versuchen ihn zu managen.“ An dieser Stelle sei auch nochmal ein kritischer Blick auf den „War on Drugs“ erlaubt. „Cui bono?“ – Wem nützt es? – ist hier die entscheidende Frage. Kostet ein Kilogramm Heroin an der Grenze zu Afghanistan noch 3.000 Euro, so steigt der Preis im Verlauf der langen Reise um ein Vielfaches: Bis zu 100.000 Euro kassieren Dealer in Deutschland für ein Kilogramm. Der Journalist und Sachbuchautor Mathias Broeckers (u.a. „Die Drogenlüge“) kommt dementsprechend zu dem Ergebnis: „Und eben deshalb hört der “War on Drugs” nicht auf, weil nur das Verbot diese enormen Profitmargen erzeugt.“1011121314

  1. UNODC: Myanmar opium cultivation continues to drop as regional drug market changes: UNODC report; Artikel vom 11.1.2019 []
  2. UNODC: Myanmar Opium Survey 2018. Cultivation, Production and Implications; Studie von 2018; Vorstellungsdatum: 11.1.2019 []
  3. bdnews24: Opium cultivation falls in Myanmar: UN; Artikel vom 11.1.2019 []
  4. SRF: Burma. Ein Land im Drogenrausch; Artikel vom 23.8.2016 []
  5. Zeit: Thailand. Opium ist out; Artikel vom 11.6.2015 []
  6. Wikipedia: Bhumibol Adulyadej; Stand: 30.1.2019 []
  7. UN News: ‚Alarming levels‘ of methamphetamine trafficking in Asia’s Mekong, UN warns; Artikel vom 21.5.2018 []
  8. BR: Drogenboom im Goldenen Dreieck: Von Opium zu Crystal Meth; nicht mehr verfügbar []
  9. Business Insider: Meth consumption in Asia is booming as wealth rises; Artikel vom 26.5.2015 []
  10. statista: Geschätzte Produktion von Opium weltweit in den Jahren 2002 bis 2017 (in Tonnen); Stand: 30.1.2019 []
  11. Wikipedia: Hydra (Mythologie); Stand: 30.1.2019 []
  12. RT Deutsch: Made in Afghanistan: Amerikanische Heroin-Abhängige; Artikel vom 27.10.2016 []
  13. Mathias Broeckers: Vielleicht sollten wir öfter vielleicht sagen; Artikel vom 15.1.2012 []
  14. Zeit: Heroin auf der Seidenstraße; Artikel vom 21.11.2002 []

Über daniel / earthlink

Projektmitarbeiter, Sozialwissenschaftler und Friedens- und Konfliktforscher; Interessensschwerpunkte: Geostrategie, Internationale Beziehungen, Wirtschafts- und Finanzsystem; Aktuelle Projekte: Radiosendung in Kooperation mit unserem Partner Radio LORA; Kampagnen: Fluchtgrund, Drogen Macht Welt Schmerz, Aktiv gegen Kinderarbeit
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