Illegale Drogenproduktion verursacht massive Umweltschäden

Drogenplantagen werden sowohl von den Produzenten mit reichlich Pestiziden versorgt als auch von Gegnern aus der Luft mit starken Herbiziden besprüht (Symbolbild) | Bild: © Francis Eatherington [CC BY-NC 2.0] - Flickr

Die weltweite Kokainproduktion erreicht ihren historischen Höchstwert. 2017 wurde laut UNO-Bericht 25 Prozent mehr Kokain hergestellt als noch im Vorjahr. Auch die Anbauflächen für Koka sind in Kolumbien um 17 Prozent gewachsen. Ähnlich rekordartig verhält es sich bei Heroin aus Afghanistan. Dort stieg der Schlafmohnanbau um 63 Prozent und die potentielle Opiumproduktion um 87 Prozent im Vergleich zu 2016. Die Nachfrage bestimmt auch diesen problematischen Markt. In den letzten 10 Jahren kamen 30 Prozent mehr Drogennutzer hinzu. Bekannt ist, dass die Konsumenten wie auch die Menschen, die in die illegale Drogenproduktion involviert sind, erheblichen Risiken ausgesetzt sind. Doch wie steht es eigentlich um die Umwelt? Inwiefern wird diese durch das Drogengeschäft belastet?12

© Philip Steffan [CC BY 2.0] – flickr

Natürlicher Cannabisanbau ist ökologisch weitgehend unbedenklich. Problematisch wird erst der Innenanbau mit Kunstlicht, das extrem viel Strom verbraucht. Diese Art des versteckten Anbaus ist in den letzten 15 Jahren extrem angestiegen. Ein Beispiel:

Geoff baut in seinem Keller in London neun Cannabispflanzen an. Mit 1000 Watt brennen seine Lampen 24 Stunden am Tag, 60 Prozent des Jahres. Durch die Hitze, die so entsteht, braucht er eine Klimaanlage. Diese trocknet den Raum zu stark aus – er braucht auch einen Luftbefeuchter. Wenn die Luft dann aber zu feucht wird, schließt Geoff einen Entfeuchter ans Stromnetz. Damit er unentdeckt bleibt, muss er außerdem die Luft nach draußen leiten und frische nach drinnen. Trotz der immensen Stromrechnung lohnt sich das Geschäft. In den USA geht ein Prozent des gesamten Stromverbrauchs auf das Konto der Cannabiszucht – so viel wie 1,7 Millionen Haushalte pro Jahr. Dieser ökologische Wahnsinn schlägt auch aufs Klima. Pro Kilo Indoor-Cannabis werden 4660 Kilo CO2 freigesetzt, jährlich verursacht das 15 Millionen Tonnen Treibhausgas! Outdoor-Anbau würde dagegen sogar CO2 in Sauerstoff umwandeln.34

Kokain Kokafeld

© Pablo Andrés Rivero [CC BY-NC-ND 2.0] – flickr

Etwa 70 Prozent des Kokains werden aus Kolumbien exportiert. Seit 2017 stieg diese Rate massiv – warum? 2016 schlossen die Guerillagruppe FARC und die kolumbianische Regierung ein historisches Friedensabkommen. Die Rebellen kamen aus den Wäldern hervor, wo sie jahrelang einen beachtlichen Teil des Kokaanbaus kontrollierten. Dabei passten sie stets darauf auf, dass nie mehr als ein Hektar Wald am Stück gerodet wurde. Seit ihrem Rückzug haben kriminelle Banden – häufig ehemalige Paramilitärs – ihre Stellung im Wald eingenommen – jedoch mit einer rein profitorientierten Einstellung. Durch ihren rücksichtslosen Anbau wurde seitdem deutlich mehr Regenwald abgeholzt. Dabei ist die Rodung von wertvollem Regenwald für versteckten Kokaanbau dramatisch für Flora und Fauna. Kolumbien ist das Land mit der zweithöchsten Biodiversität weltweit. Viele Tier- und Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht. Nicht nur die Zunahme der Kokainproduktion ist schwer beunruhigend. Nach zwei bis drei Ernten werden die Felder bereits wieder verlassen, weil die Böden unfruchtbar oder entdeckt wurden.56

Als Hauptabnehmerland bekämpft die USA seit Jahrzehnten die Drogenproduktion in Lateinamerika. Mit dem Plan Colombia versuchten sie über 15 Jahre lang die Drogenanbauflächen zu vernichten und so den illegalen Drogenhandel einzudämmen. Gebracht hat das wenig, abgesehen von den vielen Toten und der massiven Umweltzerstörung. Der Hauptteil des Plans bestand darin, Kokafelder aus der Luft mit stark konzentrierten Pflanzenvernichtungsmitteln auszulöschen. Die Giftwolken wurden aus großer Höhe losgelassen, um vor den Schüssen der Guerilleros sicher zu sein. So wurden in großem Umfang legale Nutzpflanzen, Tiere und der Regenwald in Mitleidenschaft gezogen. Glyphosat gelangte ins Wasser. Bauern, denen so die Ernährungsgrundlage entzogen wurde, waren gezwungen, noch mehr Koka anzubauen, um finanziell durchzuhalten. Menschen wurden versehentlich mitbesprüht, sodass sie massive DNA-Schäden aufwiesen. Bereits in den 1970er und 80er Jahren wurden im weiteren Rahmen der Operation Condor, die hauptsächlich auf die „Bekämpfung des Kommunismus“ in Lateinamerika ausgelegt war, Mohn- und Cannabispflanzungen besprüht. Dabei wurde die gleiche Chemikalie verwendet, wie das berüchtigte Agent Orange, welches im Vietnamkrieg eingesetzt wurde und unter anderem Geburtsschäden ausgelöst hat.37

Schlafmohn

© Alastair Rae [CC BY-SA 2.0] – flickr

In Afghanistan wird Schlafmohn zunehmend in Wüstengebieten angepflanzt. Eine Begrünung der Wüste klingt zunächst visionär – doch das hat seinen Preis. Die Felder brauchen Wasser und das wird aus tiefen Brunnen gepumpt, die den Grundwasserspiegel stark senken. Wasserknappheit ist auch in Kalifornien ein Problem, wo die durstigen Cannabisplantagen dazu beitragen. Hinzu kommt eine Verunreinigung des Grundwassers durch giftige Nitrate. Auch in Lateinamerika werden Koka- und Mohnplantagen großzügig mit Pestiziden bespritzt. Dort gehen die Produzenten sogar noch weiter und verteilen ein besonders aggressives Herbizid (2,4-D), das auch in den Entlaubungsmitteln Agent Purple und Agent White des Vietnam-Kriegs Einsatz fand. Manche bedecken ihre Felder sogar mit Erdöl, um sie vor Luftbildaufnahmen zu verstecken.89

Für die Weiterverarbeitung von Koka zu Kokain und von Mohn zu Heroin – teilweise in geringerem Umfang auch bei Cannabis – werden große Mengen umweltschädlicher Chemikalien verwendet. Allein bei der Heroinherstellung fallen jährlich tausende Tonnen Restchemikalien an; die Kokainproduktion ist noch weitaus größer – schon in den 1990ern entstanden zwei Tonnen toxischen Abfalls pro Hektar Koka. Zudem wird dort ein noch komplexerer chemisch-technischer Prozess angewandt, der extrem schädliche Abfallprodukte zustande kommen lässt. Diese sind meist nicht recycelbar und müssten gesondert und geschützt deponiert werden. Allerdings wird der Chemiecocktail durch die gebotene Heimlichkeit direkt in die Abwässer geleitet oder an entlegenen Orten in der Natur entsorgt.7103

Durch die Illegalität sind die negativen Umweltauswirkungen noch viel drastischer. Immenser Stromverbrauch, Giftmülldeponien in der Natur. Kostbarer Wald wird gerodet – sogar für Cannabis. Grundwasser wird abgezweigt oder mit Spritzmitteln verseucht. Vernichtungsaktionen von Anbauflächen machen alles nur noch schlimmer. Letzten Endes ist es die Nachfrage, die diesen umweltschädlichen Markt am Leben hält.

  1. Spiegel Online: Uno-Bericht – Kokain-Produktion erreicht historischen Höchstwert; Artikel vom 26.06.2019 []
  2. UNODC: Afghanistan Opium Survey 2017 – Cultivation and Production;  Studie vom 01.11.2017 []
  3.  Leftvision: Umweltrisiken bei der Herstellung von Drogen; Kapitel in Bachelorarbeit vom 08.10.2011 [] [] []
  4. Vice: So stark schadet die Produktion von Drogen unserer Umwelt; Artikel vom 31.05.2019 []
  5.  Tagesspiegel: Kokain-Geschäft – Bauern pflanzen mehr Koka an; Artikel vom 05.03.2018 []
  6. El Espectador: Cultivo de coca aumenta la destrucción de selvas de Colombia; Artikel vom 10.02.2011 []
  7.  Vice: So stark schadet die Produktion von Drogen unserer Umwelt; Artikel vom 31.05.2019 [] []
  8. Spektrum.de : Der ökologische Fluch der Drogen; Artikel vom 29.06.2007 []
  9. Vice: So stark schadet die Produktion von Drogen unserer Umwelt; Artikel vom 31.05.2019 []
  10.  Spektrum.de : Der ökologische Fluch der Drogen; Artikel vom 29.06.2007 []

Über Yolanda / earthlink

Nach meinem Bachelorabschluss in Ethnologie und einer Reise durch verschiedene Länder Mittelamerikas verbringe ich nun 10 Wochen bei earthlink. Hier möchte ich einen Beitrag zu ihrer entwicklungspolitischen Arbeit leisten und ein Berufsfeld und eine Masterausrichtung ausprobieren, die ich mir gut vorstellen kann.
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