Macht der Nachfrage

Angebot und Nachfrage bedingen sich gegenseitig

Wie bei einer legalen Ware stehen auch bei Drogen das Angebot und die Nachfrage in unmittelbarem Zusammenhang. Eine Veränderung der Nachfrage in den Konsumentenländern schlägt sich aufgrund der enormen Flexibilität des Drogenhandels, vermittelt über internationale Händlerringe, sofort in den Herstellerländern nieder und folgt einer ähnlichen Dynamik der Marktbewegungen wie bei legalen Produkten. Die Diskussion, ob nun die Nachfrage oder das Angebot einen stärkeren Einfluß hat, ist müßig.

Die Nachfrage ist die treibende Kraft für die Drogenproduktion

Im Bezug auf die Drogenwirtschaft ist man mittlerweile der Ansicht, daß der angebotsorientierte Ansatz auf der Ebene der Produktion gescheitert ist und das Problem in der Nachfrage liegt. Der ehemalige kolumbianische Präsident Belisario Betancur (1982-1986) bestätigte: „Solange es eine Nachfrage gibt, wird die Produktion niemals komplett ausgelöscht werden können.“ Selbst in Kreisen der kolumbianischen Drogenkartelle wurde schon zugegeben: „Amerikas Nachfrage ist die treibende Kraft für den Drogenhandel.“ Auch die WHO bescheinigt, dass gerade in den 1970er und 1980er Jahren, als der Nachfragesog aus den Industrieländern expandierte, der Kokaanbau mit teilweise exponentiellen Zuwachsraten über die bis dahin traditionellen Anbaugebiete hinauswuchs.

Eine einkommensstarke Nachfrage lässt Drogenpreise in die Höhe schießen

(c) Macxever | Dreamstime.com

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Obwohl der Drogenkonsum in den vergangenen Jahren in den Produktionsländern angestiegen ist, verläuft der Drogenhandel in der Regel entlang der Nord-Süd-Achse, das heißt von Entwicklungsländern im Süden zu Industriestaaten im Norden. Diese Trennung in Produzenten- und Konsumentenländer ergibt sich nicht nur aus klimatischen und geographischen Bedingungen, sondern in erster Linie als Folge der Einkommensunterschiede zwischen den Ländern. Erst hierdurch entstehen Spielräume für gewinnträchtige Geschäfte. So stellt vor allem die Nachfrage der Länder im Norden eine Bedingung für den weltweiten Drogenhandel dar. Die Nachfrage entstünde erst durch die Verführung der Konsumenten durch geschickte Unternehmer, lautete die mittlerweile als überholt geltende Lehrmeinung. Heute wird jedoch üblicherweise eine Kausalbeziehung von der Nachfrage hin zum Angebot angenommen.

Nur im ganzheitlichen Ansatz lässt sich die Drogenproblematik lösen

Das Drogenproblem kann ohne Zweifel nur durch einen ganzheitlichen Ansatz gelöst werden, der sowohl Angebot als auch Nachfrage berücksichtigt. Die Bekämpfung der Nachfrage jedoch gewinnt kontinuierlich an Gewicht. „Der Erfolg der Nachfragereduzierung ist entscheidend, wenn es um einen nachhaltigen Erfolg im Kampf gegen Drogen geht“, so Pino Arlacchi, Direktor des internationalen Drogenkontroll-Programms der Vereinten Nationen.

Drogenmissbrauch ist ein soziales Problem

(c) Lunamarina | Dreamstime.com

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In den 1980er Jahren haben zunehmende Eradikation, Grenzkontrollen und Strafverfolgung nur begrenzt zu einem Rückgang des Konsums geführt. In manchen Fällen ging die Nachfrage sogar nach oben. Der Drogenmissbrauch kann generell als soziales Problem begriffen werden, das nicht alleine durch staatliches Eingreifen gelöst werden kann. Wenn sich die Einstellung der Öffentlichkeit, also der potentiellen Konsumenten, nicht ändert, wird es schwer sein, eine langfristige Lösung zu finden.

 

Quellen:

Friedrich-Ebert-Stiftung: Illegale Drogen – Gesellschaftliche Bedrohung und politische Herausforderungen für Europa und Lateinamerika

President´s Commission on Organized Crime: America´s Habit – Drug Abuse, Drug Trafficking & Organized Crime – nicht mehr verfügbar

UN General Assembly: Reducing Demand for Drugs

GTZ: Drogen & Entwicklung in Lateinamerika – Strategien, Erfahrungen, Projetbeispiele

Friedrich-Ebert-Stiftung: Drogengeschäfte – Zur Entwicklung der internationalen Drogenmärkte

Friesendorf, Cornelius: Drogen, Krieg und Drogenkrieg

Besozzi, Claudio: Illegal, legal – egal?, Haupt Verlag, 2001

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