Armut

Drogenbauern sind nicht reich, sie gehören zu den Ärmsten der Armen

(c) Djembe | Dreamstime.com

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Ein Großteil des durch den Drogenverkauf erzielten Gewinns bleibt den „Drogenbossen“ am Ende der Wertschöpfungskette vorbehalten. Obwohl die Haushalte, die an der Drogenproduktion beteiligt sind, allgemein als wohlhabend gelten, ist diese Annahme in den meisten Fällen falsch. Die Anbaugebiete sind häufig abgelegen. Die Bewohner leiden unter Unterernährung, Kindersterblichkeit und Analphabetismus und sind von politischen und gesetzlichen Rechten ausgeschlossen. Durch den Koka- oder Schlafmohnanbau gelingt es diesen Bauern nicht, ihren wirtschaftlichen Status nachhaltig zu verbessern. In den Anbaugebieten Asiens und Lateinamerikas herrscht oft eine größere Armut als im Landesdurchschnitt. Die Menschen in den Anbaugebieten Vietnams beispielsweise haben das niedrigste Haushaltseinkommen des gesamten Landes. In Pakistan liegt es bei der Hälfte des Landesdurchschnitts, in Afghanistan beträgt das Einkommen eines Mohnbauern nur wenig mehr als einen Dollar pro Tag und Haushaltsmitglied. Zusätzlich begeben sich die Bauern in ein starkes Abhängigkeitsverhältnis zu den jeweiligen Drogendealern. Ein unvorhergesehenener Ernteausfall beispielsweise kann die Bauern dazu zwingen, ihre Besitztümer zu verkaufen oder sogar in die Zwangsheirat ihrer Töchter einzuwilligen.

Soziale Ungleichheit wird durch den Drogenhandel verschärft

Das Drogenkapital führt also zu einer Vergrößerung der sozialen Ungleichheit. Hier kann Mexiko als Paradebeispiel genannt werden, dessen Schere zwischen arm und reich durch die Drogenwirtschaft noch weiter geöffnet wurde. Diese Ungleichheit ist mittlerweile um ein 1,5-faches größer als in einem Durchschnittsland der OECD.

Drogenabhängigkeit kann zu noch mehr Armut führen

Nicht nur die Beteiligung an der Produktion von Drogen kann zu Verarmung führen, sondern natürlich auch die Abhängigkeit, welche durch den Konsum von Drogen ausgelöst wird. In den Produktionsländern ist der Anteil der abhängigen Bevölkerung teilweise rapide angestiegen. In Myanmar beispielsweise verschulden sich immer mehr Abhängige, um ihre eigene Sucht zu finanzieren. Es entsteht ein Teufelskreis.

Aber auch Transitstaaten haben mit einem zunehmenden Abhängigkeitsgrad ihrer Bevölkerung zu kämpfen. Der ostafrikanische Staat Tansania beispielsweise hat sich in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Umschlagsplatz für Heroin aus Asien entwickelt. Im Februar 2014 wurde an dessen Küste Heroin im Wert von knapp 1,4 Milliarden US-Dollar beschlagnahmt, und zwar innerhalb nur weniger Tage. Von dort aus finden Drogen ihren Weg in Tansanias Nachbarstaaten, aber auch in weiter entfernte Destinationen. Die stetige Verfügbarkeit der illegalen Substanzen führt zu einem höheren Konsum der heimischen Bevölkerung. In einem Land wie Tansania, das bereits zu den ärmsten Ländern der Welt gehört, stürzt die Drogensucht zahlreiche Menschen in den finanziellen Ruin. Um sich den nächsten Schuss leisten zu können, greifen die Abhängigen zu immer drastischeren Mitteln und verkaufen teilweise ihr letztes Hab und Gut, inklusive der Kleidung ihrer Kinder.

Die Lebensgrundlage wird durch Eradikationsmaßnahmen zerstört

Viele arme Bauern und ihre Familien leiden unter den Vernichtungsoperationen, bei denen Drogen direkt auf dem Feld zerstört werden. Denn Opium und Kokain werden häufig in armen Regionen ohne wirtschaftliche Stabilität angebaut – für die Bauern dort bedeutet der Drogenanbau nicht viel mehr als die Rettung aus der Armut.1 Durch die Zerstörung ihrer Felder wird ihre gesamte Ernte zu Nichte gemacht und damit ihre Lebensgrundlage zerstört. In den meisten Fällen sind die Bauern finanziell zu schwach, als dass sie den Verlust der Ernte ausgleichen könnten. Zwar wird ihnen Unterstützung zugesichert, doch oft sind die Entschädigungen recht dürftig.2 Besonders ausweglos ist die Situation für diejenigen Bauern, die in einem Schuldverhältnis mit Großgrundbesitzern stehen, die trotz der Vernichtungsmaßnahmen die Schulden zurückverlangen. Die Familien sind ihrer Gewalt schutzlos ausgeliefert.3

Der Einsatz von Glyphosat zieht landwirtschaftliche Folgen nach sich

Vor allem in Kolumbien ist die Situation für Bauern schwer. Dort werden die Felder hauptsächlich mit einem Herbizid besprüht, um so die Kokapflanzen zu vernichten. Einige Bauern berichteten, dass die betroffenen Gebiete – ob absichtlich oder unabsichtlich besprüht – auch in den kommenden Jahren weniger fruchtbar waren. Doch dadurch wird es den Bauern erheblich erschwert, legale Pflanzen auf ehemaligen Drogenfeldern anzubauen und sich damit ein Einkommen zu sichern.1 Das Ausmaß ist enorm: Allein zwischen 2000 und 2003 wurden rund acht Prozent des landwirtschaftlich nutzbaren Bodens in Kolumbien besprüht.4 Das Kokain dagegen wächst oft um einiges schneller nach als andere Pflanzen. Wiedererblühte Kokafelder umrundet von toten Bäumen – in Kolumbien kein seltener Anblick.5 Das treibt vor allem arme Bauern, die auf regelmäßige Ernterträge angewiesen sind, verstärkt dazu, wieder Koka anstatt legaler Produkte anzupflanzen oder sie laufen Gefahr, in extreme Armut abzurutschen.

Quelle(n):

SWP-Studie: Afghanistans Drogenkarriere – Von der Kriegs- zur Drogenökonomie

Palaung Women´s Organization: Poisoned Hills

GTZ: Drogen und Armut im Kontext internationaler Entwicklung

Heinrich-Böll-Stiftung: Drogen, Dollars, Demokratie

Denel: Australian frigate in massive drug bust off Tanzania

Jamii Forums: Tanzania home to 25.000 heroin addicts

Der Standard: Im Rhythmus der Sucht nach Heroin

  1. Countthecosts: The War on Drugs: Causing Deforestation; aufgerufen am 17.Juni 2014 [] []
  2. Schwäbische.de: Afghanistan beginnt mit Vernichtung von Drogenfeldern; erschienen am 11. April 2002; aufgerufen am 16. Juni 2014 []
  3. University for Peace: War on Drugs and War on Terror: Case of Afghanistan; erschienen Frühling 2009; aufgerufen am 17. Juni 2014 []
  4. Cornelius Friesendorf: Drogen, Krieg und Drogenkrieg; erschienen 2005; aufgerufen am 17. Juni 2014 []
  5. Human Rights Watch: Human Rights and Drug Policy: Briefing 6: Crop eradication; aufgerufen am 17.Juni 2014 []

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