Soziale Konflikte

Unruhen in Bolivien

(c) Jkraft5 | Dreamstime.com

(c) Jkraft5 | Dreamstime.com

Als die Vereinigten Staaten in Bolivien ihr sogenanntes Eradikationsprogramm initiierten, konnte die bolivianische Regierung zeitweise nicht mehr mit der Entwicklung sinnvoller Alternativen mithalten. Es kam immer wieder zu heftigen sozialen Konflikten mit Protesten und Straßenblockaden, die das wirtschaftliche Leben zum Erliegen brachten. Das Problem wiegt in Bolivien besonders schwer, da hier schon immer aus Tradition Kokablatt angebaut wurde, größtenteils zu medizinischen oder spirituellen Zwecken.

Entstehung sozialer Reibungspunkte

Auch in Staaten, in denen Schlafmohn angebaut wird, entstehen soziale Reibungspunkte. Viele Landbesitzer und Pächter, die sich nicht am Anbau von Schlafmohn beteiligen, sind arbeits- und perspektivlos. Es kommt auch hier zu sozialen Unruhen und teilweise zu Gewaltexzessen.

Das soziale Gefüge gerät aus dem Gleichgewicht

(c) Danielal | Dreamstime.com

(c) Danielal | Dreamstime.com

Illegale Drogenökomomien gefährden traditionelle Institutionen. In Afghanistan beispielsweise werden Führungsfunktionen von jeher vom Dorfältesten erfüllt, z.B. Steuern eintreiben, Milizen rekrutieren, Streitigkeiten schlichten oder Organisieren von Bau- und Instandhaltungsaufgaben. Im lukrativen Drogenhandel etablieren sich aufgrund des hohen Risikos vor allem junge Männer, die Verteilung von Reichtum ändert sich grundlegend. Somit gerät das althergebrachte soziale Gefüge aus dem Gleichgewicht und mindert die Autorität dieser informellen Institutionen. Konfliktlösungen können nun nicht mehr so einfach durchgesetzt werden.

Spannungen in den Favelas von Rio

(c) Celsopupo | Dreamstime.com

(c) Celsopupo | Dreamstime.com

Im Zuge eines wachsenden Drogenproblems begann die brasilianische Regierung 2008 mit ihrem sogenannten „pacification program“. In mehreren Großstädten des Landes wurden die Drogenbanden im Rahmen groß angelegter Polizeiaktionen aus den Armutsvierteln getrieben. Langfristiges Ziel der Initiative ist es, die Drogendealer ein für alle Mal aus den Städten zu verbannen und so einen Teil der Sicherheit auf brasilianischen Straßen wieder herzustellen und der Drogenwirtschaft den Nährboden zu entziehen. Um das jedoch zu gewährleisten, muß die Polizei weiterhin in den Vierteln präsent sein. In Rio beispielsweise wurden bereits an die 30 Einheiten in Favelas und ärmeren Stadtgebieten stationiert.

Während die UNO die Maßnahmen der Regierung als allgemeinen Erfolg bewertet, sehen betroffene Bürger das Vorgehen teilweise kritisch. Seither müssen sich die Anwohner der Favelas in ihrem Alltag übermäßig viele Kontrollen und Durchsuchungen gefallen lassen und fühlen sich zum Teil diskriminiert bzw. schikaniert. Und obwohl die tägliche Gewalt nachweislich durch die Operationen reduziert werden konnte, wird davon ausgegangen, dass die Einsatzkräfte für rund 30 Prozent der zivilen Todesfälle während der Aktionen selbst verantwortlich sind.

Verbitterung und Resignation durch Eradikationsmaßnahmen

Afghane in seinem OpiumfeldViele Länder setzen im Drogenkrieg auf die Vernichtung von Drogenfeldern. Diese erschwert jedoch in manchen Fällen einen Erfolg von Entwicklungsprogrammen in den Anbauregionen. Dafür wäre eine wichtige Voraussetzung, dass die Bauern die Regierung anerkennen und mit ihr kooperieren. Die repressiven Vernichtungsmaßnahmen bewirken jedoch einen Bruch zwischen der Bevölkerung und dem Staat,1 denn die Felder werden oft unter dem Einsatz von Militärs2 und unter heftigen Protest einiger Bauern vernichtet. Vielmehr müssten ihnen Alternativen geboten werden: Kakao statt Koka, Reis statt Opium. Auch diese alternativen Maßnahmen werden vielfach angewandt, meist in Kombination mit Zwangsvernichtungen. Oft werden sie jedoch nur halbherzig umgesetzt oder ziehen verheerende Folgen nach sich, beispielsweise da grundlegende Investitionen fehlten (Straßen für den Gütertransport etc.).2 In Laos und Myanmar (Burma) scheiterten alternative Hilfsprogramme z.B. schlicht am falschen Zeitplan: Hier wurden „opium bans“ verhängt, obwohl die Hilfsmaßnahmen noch längst keine Früchte trugen.2 Erneut lebten die Farmer in Armut, erneut wurden sie in ihrer Not in die Arme der Drogenbanden getrieben. Die Verbitterung, die Verzweiflung und die Resignation in der Bevölkerung wachsen.3

 

Quellen:

SLE: Drogenbekämpfung und Alternative Entwicklung

SWP-Studie: Afghanistans Drogenkarriere – Von der Kriegs- zur Drogenökonomie

GIZ: Drogen, Entwicklung und Gewalt

refworld: Brazil: Crime situation

  1. Transnational Institute: Bouncing Back: Relapse in the Golden Triangle; erschienen 2014; aufgerufen am 17. Juni 2014 []
  2. Human Rights Watch: Human Rights and Drug Policy: Briefing 6: Crop eradication; aufgerufen am 17.Juni 2014 [] [] []
  3. University for Peace: War on Drugs and War on Terror: Case of Afghanistan; erschienen Frühling 2009; aufgerufen am 17. Juni 2014 []

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.