Migration und Vertreibung

Der Wegfall des Drogenanbaus zwingt Bauern zum Abwandern in die Städte

(c) Ulita | Dreamstime.com

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Ein weiteres Problem, das durch die Abhängigkeit vom Drogenanbau entsteht, wird beispielsweise in der bolivianischen Provinz Chapara sichtbar. Für viele Bauern stellt der Anbau von Kokablatt dort die Lebensgrundlage dar. Sollte dies nicht mehr der Fall sein, liegt den Bauern der Gedanke der Migration in die Stadt möglicherweise viel näher als die Beschäftigung mit Obstanbau. Dies zieht die für lateinamerikanische Großstädte typischen Probleme der Verstädterung nach sich:

  • Entvölkerung und Überalterung der ländlichen Räume und die damit einhergehende wirtschaftliche Schwächung dieser Gebiete,
  • Hoher Bevölkerungsdruck in den Städten,
  • Unkontrollierte Ausbreitung von Slums bzw. Squatter-Siedlungen mit den typischen Folgeerscheinungen: materielle Unterversorgung, völlig überlastete bzw. mangelhafte Infrastruktur, Mangel an Arbeitsplätzen und Wohnmöglichkeiten, hygienische Probleme und schlechte Trinkwasserversorgung,
  • Bildung eines Teufelskreises: Junge Arbeiter wandern in die Städte ab, die dadurch enorm anwachsen und somit den Bedarf an Lebensmitteln erhöhen. Mit der Abwanderung sinkt jedoch die Kapazität der Lebensmittelproduktion auf dem Land.

Rückzug der FARC zwingt Bauern zur Flucht

Nachdem die Vereinigten Staaten im Dezember 2000 mit einer großen Militäraktion und der damit verbundenen Besprühung der kolumbianischen Kokafelder begonnen hatten (Plan Colombia), zog sich die FARC aus ihren Territorien in die Grenzgebiete zurück. Zehntausende Bauern flohen in die Elendsviertel der Städte und andere ländliche Regionen. In dieser Zeit gab es in Kolumbien mehr als 2 Millionen Binnenflüchtlinge. Die Nachbarländer waren ebenfalls davon betroffen. An der Grenze zu Ecuador kam es zum Grenzübertritt bewaffneter Gruppen und tausender kolumbianischer Flüchtlinge sowie zum erstmaligen Drogenanbau in manchen Regionen und Staaten.

 

Quellen:

SLE: Drogenbekämpfung und Alternative Entwicklung

Friesendorf, Cornelius: Drogen, Krieg und Drogenkrieg


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