Strukturelle Verzerrungen

Ausrichtung auf einen illegalen Markt

Der Anbau von Pflanzen für die Produktion illegaler Drogen führt zu wirtschaftlicher Abhängigkeit und zur Ausrichtung der ökonomischen Strukturen auf einen illegalen Markt. Häufig passen sich die lokalen, sozialen und politischen Strukturen dieser Entwicklung an, was sozial und wirtschaftlich nachhaltige Prozesse in einem Land behindert.

Kein langfristiges Wachstum möglich

(c) Vaeenma | Dreamstime.com

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Die großen Mengen an illegalem Geld können zu inflationärem Druck für die nationale Wirtschaft und strengeren Gesetzen führen. Dies wiederum führt zu hohen Zinsraten und zur Verdrängung legaler privater Investitionen. Die Gewinne aus der Drogenindustrie, welche dann wieder national investiert werden, sind meist auf unproduktive Investments reduziert, die nur kurz Gewinn abwerfen und keine Basis für ein langfristiges Wachstum bilden. Die Drogenkartelle investieren ihre Gewinne meist in Objekte oder Bereiche, die Synergieeffekte mit ihrem Kerngeschäft versprechen, z.B. Immobilien, Ländereien, Transport, Chemie, Casinos, Tourismus oder Luxusgüter. Gewinne aus dem Drogengeschäft können zwar in strukturschwachen Ländern interne Wirtschaftskrisen durch den allgemein erhöhten Geldumlauf für Dienstleistungen abfedern, langfristig jedoch, helfen sie weder das Volumen produktiver Investitionen zu erhöhen, noch strukturelle Wirtschaftsprobleme zu lösen.

Drogenwirtschaft verschlechtert Vermögensverteilung

(c) Photochris | Dreamstime.com

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Die Einnahmen aus dem Drogengeschäft sind höchst ungleich verteilt. Nur ca. zehn Prozent der Gewinne entfallen auf die Drogenhersteller, während die anderen 90 Prozent in den Konsumentenländern bleiben. Zwischen Erzeuger und Verbraucher liegt teilweise eine Gewinnspanne von 1.200 Prozent. Tatsächlich landet nur ein Prozent des Geldes, das von den Endkonsumenten bezahlt wird, bei den Bauern in den Entwicklungsländern. Die restlichen 99 Prozent verdienen andere in der Drogenhandelskette. Es kommt zu einer Konzentration wirtschaftlicher Macht und damit auch zu einer verschlechterten Vermögensverteilung. Noch dazu bietet der Anbau von Drogenpflanzen den Bauern höchstens eine kurzfristige Einnahmequelle und verhindert einen besseren Zugang zu legalen Märkten.

Kartelle übernehmen die heimische Landwirtschaft

(c) Photochris | Dreamstime.com

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Seit kürzerer Zeit ist zu beobachten, dass Drogenkartelle immer mehr Einfluss auf die einheimische Landwirtschaft oder auch den Bergbausektor nehmen. Sie zwingen die Bauern Abgaben für ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse zu zahlen. Zum Teil werden auch staatliche Behörden unterwandert, um genaue Informationen über Anbauflächen und Erträge zu erhalten, damit die Abgaben (das Schutzgeld) dementsprechend kalkuliert werden können. Um die Verluste durch das Kartell wieder zu kompensieren, werden die Preise für die Güter häufig angehoben. In Mexiko-Stadt konnte diese Entwicklung beispielsweise bei Limetten festgestellt werden.1 Leidtragende sind folglich die ärmeren Schichten der Bevölkerung.
Oftmals werden Betriebe auch direkt von den Kartellen übernommen und die bisherigen Betreiber vertrieben. Diese Entwicklung nahm besonders im mexikanischen Bundesstaat Michoacán große Ausmaße an. Das Drogenkartell Caballeros Templarios (Tempelritter) unterwanderte hier unter anderem den Bergbau sowie die Limetten- und Avocadoproduktion. Sie errichteten dort somit ihr eigenes Lehnswesen. Der dadurch entstandene Schaden für die mexikanische Wirtschaft im Fall des Bergbausektors belief sich 2013 auf etwa eine Milliarde US-Dollar.2
Durch diese Einflussnahme der Kartelle müssen nicht nur Geschäftsleute um ihre Existenz fürchten, auch die Staaten selbst können dadurch stark, insbesondere wirtschaftlich, beeinträchtigt werden.

 

Quellen:

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Drogen gefährden Entwicklung – nicht mehr verfügbar

GIZ: Drogen & Entwicklung in Lateinamerika – Strategien, Erfahrungen, Projektbeispiele

Friedrich-Ebert-Stiftung: Drogengeschäfte – Zur Entwicklung der internationalen Drogenmärkte

UNRIC: Internationaler Suchtstoffkontrollrat – Illegale Drogenwirtschaft verhindert nachhaltige Entwicklung

Zinecker, Heidrun: Drogenökonomie und Gewalt – Das Beispiel Kolumbien

  1. Vocativ: „Blood Avocados“: The Dark Side of Your Guacamole – aufgerufen 11.11.14 []
  2. Huffington Post: Mexikos Drogenkartelle sind gewissermaßen die Mafia 2.0 – aufgerufen 11.11.14 []

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