Gesellschaftliche und staatliche Strukturen

Schwache Staaten sind der ideale Ausgangspunkt für eine Drogenwirtschaft

In Ländern, in denen staatliche Institutionen schwach bzw. mittellos sind, etablieren sich kriminelle Strukturen deutlich einfacher als in innenpolitisch gefestigten Staaten. Hinzu kommen mangelnder politischer Wille und Korruption, welche die Entstehung einer Drogenwirtschaft stark begünstigen. In vielen Fällen ist das Problem, dass die Drogenkriminalität diesen Zustand weiter verschärft. Schwache Staaten werden noch weiter geschwächt, z.B. durch einen Anstieg der Korruption, der Gewalt und durch steigende Verbrechenszahlen. Dadurch werden die legalen Wirtschaftsaktivitäten eines Landes zunehmend unattraktiv und die Einkommensunterschiede der Menschen vergrößern sich. Oft werden durch die Einnahmen aus der Drogenwirtschaft parallele Kriegsökonomien finanziert bzw. stabilisiert.

Ohne staatliche Kontrolle floriert der Drogenhandel

Kolumbien beispielsweise wurde so zu einem der größten Drogenproduzenten und -exporteure weltweit. Der Staat bzw. die staatlichen Akteure konnten die Bürger nicht mehr vor der Gewalt schützen, wohingegen die nicht-staatlichen Akteure, wie die Guerilla-Organisationen, durch die Einnahmen aus dem Drogengeschäft an Einfluss und Macht hinzugewannen. Im Jahr 2003 standen ca. 40.000 kolumbianische Soldaten gegen ungefähr 50.000 Paramilitärs und Rebellen. Diese halten sich oft in abgelegenen Gebieten des Landes auf, über die der Staat schon längst die Kontrolle verloren hat. Dort finden sie perfekte Bedingungen für den Anbau und die Produktion von Drogen. Versuche, die Kokafelder zu zerstören oder Handelsrouten stillzulegen, verfehlen oftmals ihre Wirkung, denn die Rebellen ziehen sich einfach in andere unkontrollierte Regionen zurück, um den Anbau und den Handel fortzusetzen.

Afghanistans Drogenanbaugebiete liegen außerhalb des Machteinflusses von Kabul

Eine Studie aus Afghanistan spiegelt ähnliche Zusammenhänge wider: In Gegenden mit starker Präsenz der Zentralregierung sagten 61 Prozent der Bauern, sie würden keinen Schlafmohn anbauen, weil es verboten sei. Im Südwesten, wo die Regierung kaum Einfluss hat, äußerten sich nur 39 Prozent der Bauern entsprechend. Die schlechten Einkommensverhältnisse im Land begünstigen zusätzlich die Korruption. Hohe Bestechlichkeit von Beamten und Vetternwirtschaft sind in Afghanistan ein gängiges Problem. Hinzu kommt, dass die Drogenbarone im Land den verarmten Bauern bislang größere Unterstützung als die Regierung in Kabul gewähren. Sie geben ihnen schnelle Kredite und fordern als Gegenleistung die Verpflichtung, künftig Schlafmohn anzubauen. Somit werden die Kleinbauern in ein Abhängigkeitsverhältnis gezwungen.

In Afrika fehlt es oftmals an Mitteln zur Bekämpfung des Drogenhandels

In manchen afrikanischen Ländern sind fehlende Kontrollmaßnahmen des Staates eine der Hauptursachen für Missbrauch von aus legalen Verteilerkanälen abgezweigten psychotropen Substanzen. Afrikanische Länder verfügen nur über beschränkte institutionelle und technische Kapazitäten zur Bekämpfung des Drogenproblems und sind somit ideal geeignet, um als Transitstaat für den Drogenhandel zu fungieren.

Wegsehen und Handaufhalten in Myanmar

Eines der extremsten Beispiele für die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, in welche die Drogenwirtschaft eingebettet ist, bildet Myanmar. Das Land wurde mit harter Hand durch

Staatswappen Myanmar / Quelle: Wikimedia Commons

Staatswappen Myanmar

die Militärdiktatur geführt. Der Staat kontrollierte die komplette Industrie des Landes, übernahm traditionelle Familienbetriebe und forderte enorme Steuerzahlungen von der Bevölkerung. Vielen Familien blieb somit nichts anderes übrig, als zu versuchen, sich mit dem Anbau von Schlafmohn über Wasser zu halten. Es deutete jedoch einiges darauf hin, dass nahezu alle Ebenen der myanmarischen Militärhierarchie am Drogenhandel beteiligt waren, sei es durch Wegsehen oder Handaufhalten. Man könnte sagen, dass das Regime den Drogenanbau aus finanziellen und machtpolitischen Gründen gezielt förderte. Mittlerweile befindet sich das Land auf dem Weg in die Demokratie.

 

Quellen:

GIZ: Drogen und Terrorismus

GIZ: Drogen und Entwicklung in Lateinamerika

GIZ: Drogen und Konflikt im Kontext internationaler Zusammenarbeit

Universität Mannheim: Drogen in Rußland

Haug, Thomas: Globale Abhängigkeiten, Drogenkrieg und mögliche Alternativen durch neue drogenpolitische Ansätze

Friesendorf, Cornelius: Drogen, Krieg und Drogenkrieg

Focus-Online: UN: Kein Rückgang der Drogenanbaufläche von Schlafmohn

INCB: Auszug aus dem Jahresbericht 2005

SWP-Studie: Afghanistans Drogenkarriere

Der Tagesspiegel: UN kritisieren steigende Heroinlieferungen

GIZ: Drogen, Entwicklung und Gewalt

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