Innenpolitische Konflikte und Kriege

Guerilla und Rebellen nutzen den Drogenhandel

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In einigen Staaten, in denen Drogen produziert werden, schwelen innenpolitische Konflikte. Oftmals finanziert sich zumindest eine der Konfliktparteien durch die Herstellung und den Verkauf von Drogen. Das heißt, dass sich die Drogenwirtschaft zu einer wichtigen Einnahmequelle entwickelt hat. Natürlich handelt es sich nach wie vor um eine illegale Geschäftsaktivität. Die politischen Akteure, die sich ihrer bedienen, sind folglich meistens nicht-staatliche Gruppierungen, z.B. Guerilla-Organisationen oder Rebellen. Aber es gibt Ausnahmen. Man kann nicht unbedingt behaupten, dass die innenpolitischen Auseinandersetzungen der Ausgangspunkt für die Entstehung einer Drogenökonomie waren. Offensichtlich ist jedoch die Tatsache, dass die Akteure sie im Laufe der Zeit als Finanzierungsquelle für sich entdeckt und zusätzlich vorangetrieben haben. Sobald eine politische Gruppierung einmal diesen „Wechsel“ ihrer Motive vollzogen hat, führen Verhandlungslösungen, die auf die politischen Ziele der Gruppen ausgerichtet sind, ins Leere. So werden letztendlich auch die bereits bestehenden Konflikte am Leben gehalten. Machtkämpfe um die Kontrolle über Anbaugebiete und Handelsrouten können dann zu Eskalation und neuen Konflikten führen.

Weltweit finanzieren sich Terroristen und Guerillas durch den Drogenhandel, u.a. in El Salvador, Nicaragua, Peru, Äthiopien, Sudan, Tschad, Irak, Iran, Libanon, Sri Lanka, Indien und Thailand.

Kolumbien als Paradebeispiel

Eines der besten Beispiele hierfür ist Kolumbien, in dem bewaffnete Konflikte schon seit den 1940er Jahren in mehr oder weniger intensiver Form existieren. Verfolgten die beteiligten Parteien, wie beispielsweise die ELN oder die FARC, einst ernsthafte politische Ziele, so wird ihnen heute nachgesagt, aus reiner Profitgier zu handeln und ihre politischen Anliegen nur noch als Vorwand zu benutzen. Die meisten der Drogenanbaugebiete befinden sich mittlerweile unter ihrer Kontrolle.

Auch die Taliban finanzieren sich durch Drogenverkauf

(c) Zabelin | Dreamstime.com

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In Afghanistan fungiert die Drogenproduktion nun als Einnahmequelle der Taliban und dient der Nordallianz weiterhin als Finanzierungsquelle. Laut UNODC verdienen die radikalislamischen Rebellen jährlich bis zu 100 Millionen Dollar allein aus „Steuern“, die sie von den Opiumbauern erheben. Weitere Geldquellen sind die Abgaben von Heroin-Laboren und der Drogenexport. Auch hier behindert diese Entwicklung die Bildung einer starken afghanischen Regierung und erschwert die Wiederherstellung der Rechtsstaatlichkeit.

Die Sonderform Myanmar

Myanmar stellt eine Sonderform in diesem Zusammenhang dar. Hier nutzt das totalitäre Regime die Drogenproduktion, um seinen Militärapparat am Leben zu halten und somit jegliche Form von Aufstand im Land niederzuschlagen. Bauern werden teilweise zum Opiumanbau gezwungen, indem die Regierung sehr hohe Steuern auf legale Produkte erhebt. Die sozialen Probleme im Land werden dadurch zusätzlich verschärft.

Durch Konfliktsituationen wird auch der Drogenkonsum angeheizt

(c) Skypixel | Dreamstime.com

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Generell läßt sich festhalten, dass Konfliktsituationen den illegalen Drogenkonsum antreiben, also die Nachfrage nach Drogen erhöhen. Traumatische Kriegserlebnisse in Krisenregionen führen sehr oft zum sogenannten posttraumatischen Belastungssyndrom. Untersuchungen in Regionen, die von gewalttätigen Konflikten oder Kriegen heimgesucht wurden, haben ergeben, dass das Ausmaß an Drogensucht auch fünf Jahre nach Konliktende oder länger noch sehr hoch ist. Dabei dienen Drogen sowohl der Verdrängung erlittener Traumata von Tätern und Opfern als auch der Verdrängung der schwierigen individuellen wie gesellschaftlichen Lage im vom Krieg beschädigten Land. Aktuell sind derzeit vor allem der Iran und Afghanistan von dieser Problematik betroffen. Im Iran hat der erste Golfkrieg mit dem Nachbarstaat Iran (1980-1988) viele Menschen in die Abhängigkeit von Opiaten getrieben. Die Folgen sind teilweise heute noch sichtbar. In Afghanistan haben die Auseinandersetzungen zwischen der internationalen Staatengemeinschaft und den Taliban den Menschen großes Leid beschert. Die Drogenabhängigkeit im Land ging seither stetig nach oben.

Die unsichere innenpolitische Situation Ägyptens treibt die Beduinen in die Drogenproduktion

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Häufig sind es auch gar nicht die Konfliktparteien, die den Drogenhandel betreiben. Jedoch wird durch den Ausnahmezustand in einigen Ländern eine Situation geschaffen, die den Drogenhandel erst möglich macht. Dies liegt zum einen daran, dass Militärs und andere Sicherheitskräfte mit einer Aufstandsbekämpfung oder durch kriegerische Konflikte so ausgelastet sind, dass ihnen die Kapazitäten für eine wirksame Eindämmung des Drogenanbaus und Handel fehlen. Zum anderen führen Konfliktsituationen in vielen Fällen dazu, dass bestimmte Wirtschaftszweige, wie z.B. der Tourismus, eingeschränkt werden, wodurch betroffene Menschen den Drogenanbau als einzige Alternative sehen. Beides trifft beispielsweise auf die Beduinen auf der Sinai-Halbinsel in Ägypten zu. Nach dem Sturz des Mubarak-Regimes hatte sich die Sicherheitslage im Land extrem verschlechtert, wodurch der Tourismus eingebrochen war. Deshalb stiegen mehr und mehr Beduinen, die größtenteils von den Urlaubern lebten, auf den Schlafmohnanbau um. Das Militär unternimmt derzeit wenig dagegen, da es auf dem Sinai bereits durch die Bekämpfung radikalislamischer Milizen ausgelastet ist.

 

Quellen:

GIZ: Drogen und Konflikt im Kontext internationaler Zusammenarbeit

GIZ: Drogen und Terrorismus

The Palaung Women´s Organisation: Poisoned Hills

The Palaung Women´s Organisation: Poisoned Flowers – nicht mehr verfügbar

Basler Zeitung: Südamerikaner kaufen afrikanische Waffen mit Drogen

UNODC: Afghanistan Opium Survey 2010

taz: In der Opiumhölle

GIZ: Drogen, Entwicklung und Gewalt

Wikipedia zum Ersten Golfkrieg

Stern: Die Opium-Bauern vom Sinai – aufgerufen 28.10.14 nicht verfügbar 1.7.15

CS Monitor: Poppies replace tourists in Egypt´s Sinai desert – aufgerufen 28.10.14

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