Wirtschaftliche Faktoren

Drogenhandel ist einer der drei größen Wirtschaftszweige

(c) Adam88x | Dreamstime.com

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Seit Beginn der 90er Jahre haben sich Drogenproduktion und Drogenhandel von der Cannabis-Produktion zugunsten von Koka und Schlafmohn bzw. deren Derivaten Kokain, Opium und Heroin verschoben. Mittlerweile zählt der Drogenhandel zusammen mit dem Erdöl- und dem Waffenhandel zu den drei größten Sektoren der Weltwirtschaft. Die dabei erzielten Gewinne reichen, um einerseits Regierungs-, Zoll-, Justiz- und Polizeiapparate zu korrumpieren und andererseits private Armeen und Milizen aufzubauen, sie zu bewaffnen, in den Krieg zu führen und einen Sold zu bezahlen, der deutlich höher ist als der vieler schlechter ausgestatteter Regierungstruppen. Der entscheidende Faktor, sich für den Anbau und Verkauf von Drogen zu entscheiden, ist also die extrem hohe Lukrativität. Hinzu kommt, dass auf dem illegalen Weltdrogenmarkt nur eine geringe Preiselastizität herrscht. Trotz weltweiter Überproduktion bleiben die Gewinnmargen hoch. Eine Flugzeugladung von 300 kg Kokain kostet den kolumbianischen Hersteller beispielsweise ungefähr 3.000 US-Dollar pro Kilo. Im Endumsatz können daraus in den USA vielleicht 30 bis 34 Millionen US-Dollar werden, wenn man sie geschickt streckt, sogar bis zu 50 Millionen.

Illegale Aktivitäten müssen sich nicht an Spielregeln halten

Die organisierte Kriminalität hat die Spielregeln der neoliberalen Marktwirtschaft viel schneller gelernt als die legalen Ökonomien. Offene Grenzen werden sofort genutzt, ohne die Notwendigkeit, vorher langwierig Gesetze zu ändern. Gleichzeitig sind illegale Transaktionen im Kommunikationszeitalter deutlich schneller und anonymer abzuwickeln als beispielsweise die mit dem Drogenhandel eng verbundene Geldwäsche.

Drogen lassen sich einfacher vermarkten

(c) Cascoly | Dreamstime.com

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Für den Kleinbauern ist die vergleichsweise einfache Vermarktung von z.B. Schlafmohn ein weiterer entscheidender Faktor. Gemüse muß frisch sein und deswegen schnell auf die Märkte gelangen, während der Schlafmohn auf dem Rücken weniger Tragtiere problemlos an zerstörten Straßen vorbei zur Grenze oder zu den Heroinlabors transportiert werden kann. Die Bauern können, wie bereits oben erwähnt, mit Opiaten wesentlich mehr verdienen als mit traditionellen landwirtschaftlichen Produkten. Dies macht es auch so schwierig, den Bauern den Anbau von legalen Alternativprodukten schmackhaft zu machen.

Koka lässt sich mehrmals im Jahr ernten

Der Anbau von Koka bietet den Kleinbauern ebenfalls Vorteile. Obwohl die Ernte des Kokablatts sehr arbeitsintensiv ist, kann sie mehrmals Im Jahr durchgeführt werden. Das bedeutet, dass sie mehr Beschäftigung und Einkommen schaffen kann und somit einen deutlichen Vorteil gegenüber anderen landwirtschaftlichen Erwerbszweigen besitzt.

Landwirtschaftlich geprägte Länder eignen sich besonders

(c) Babar760 | Dreamstime.com

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Generell lässt sich festhalten, dass Länder, in denen es eine breite Schicht an Kleinbauern gibt, die also stark landwirtschaftlich geprägt sind, durchaus anfällig für die Entwicklung einer illegalen Drogenproduktion sind. In den meisten Fällen wird dieses Problem durch die Tatsache verschärft, dass sich die hiesige Landwirtschaft in einer Krise befindet, sei es durch Inflation, durch falsche staatliche Maßnahmen oder durch zu hohe Ausfuhrzölle und Handelsbarrieren für legale Produkte. So sehen viele Kleinbauern ihre einzige Chance, weiterhin ihre Familie zu versorgen, im Anbau von Drogen.

Wirtschaftliche Interessen von Unternehmen oder anderen Staaten

Selbst andere Staaten oder Wirtschaftsunternehmen können strukturelle Verschiebungen zugunsten der Drogenwirtschaft bewirken. In Myanmar, im nördlichen Bundesstaat Kachin, wird dies am besten deutlich.

Entwurf Myitsone Damm

Entwurf Myitsone Damm

Vor einigen Jahren verloren dort einheimische Bauern ihr Land an chinesische Investoren sowie kooperierende, einheimische Unternehmen, denen es um die Realisierung des Myitsone-Megadamms ging. Als Folge mußten die Menschen ihre bereits ausreichend erschlossenen Gebiete in den Tieflagen verlassen und in die Wälder der Berge ziehen. Aufgrund der limitierten geographischen Gegebenheiten in diesen Hochlagen blieb ihnen keine andere Alternative, als den genügsamen Schlafmohn anzubauen. Seit 2011 ist das Dammprojekt auf Eis gelegt – Wiederaufnahme vorbehalten. Zurück in ihre Heimat, können die Menschen dennoch nicht.

Derartige Staudammprojekte dienen vor allem dem Stromexport in Länder wie China oder Indien, die dadurch ihren enormen Energiebedarf decken wollen. Durch das Myitsone-Projekt mußten bereits zehntausende Menschen umgesiedelt werden. Gerade der Norden Myanmars ist immmer wieder Schauplatz von geopolitischen Konflikten beider Länder, aber auch einheimische Unternehmen betreiben hier massiven Raubbau und zwingen die Anwohner somit, ihre Existenzgrundlage aufzugeben und in schlecht erschlossene Gebiete abzuwandern.

Goldpreis beeinflusst Drogenproduktion

In Ländern, in denen es ein hohes Vorkommen an Edelmetallen gibt, kann ein Zusammenhang zwischen dem Goldpreis und der Drogenproduktion festgestellt werden. Steigt der Preis für Gold auf dem internationalen Markt, so versprechen sich viele arme Kleinbauern größere Gewinne im illegalen Goldabbau als im Anbau von Drogen. Diese Bewegungen auf dem informellen Arbeitsmarkt wirken sich auf die Produktionsmengen von Rauschgiften aus. Ist der Goldpreis hoch, sinken Anbaufläche und Produktionserträge bei pflanzlich basierten Drogen.

Fällt der Preis für das Edelmetall wiederum, so kehren viele Arbeiter zu den Plantagen zurück und ein Anstieg in Drogenanbau und –produktion kann verzeichnet werden.

In Kolumbien konnte dieses Phänomen deutlich beobachtet werden. Über 80 Prozent des kolumbianischen Goldes wird in illegalen Minen abgebaut. Zwanzig Prozent der Gewinne gehen dabei an die Rebellengruppe FARC. Als 2010 der Goldpreis ein Rekordniveau erreichte, sank in der Folgezeit der Anbau von Kokapflanzen um über die Hälfte. Als der Wert von Gold wieder fiel, stiegen im Gegenzug erneut die Produktionsmengen von Kokain. Experten gehen davon aus, dass dies mit der Reduzierung der Zahl der illegalen Minenarbeiter zusammenhängt, die dann wieder zu den Kokafeldern zurückkehrten.

Quellen:

Paulang Women´s Organisation: Poisoned Flowers – Artikel nicht mehr vorhanden

Paulang Women´s Organisation: Poisoned Hills – Artikel nicht mehr vorhanden

GIZ: Drogen und Entwicklung in Lateinamerika

Heinrich Böll Stiftung: Drogen, Dollars, Demokratie

Friedrich Ebert Stiftung: Drogengeschäfte: Zur Entwicklung der internationalen Drogenmärkte

Friedrich Ebert Stiftung: Illegale Drogen: Gesellschaftliche Bedrohung und politische Herausforderungen für Europa und Lateinamerika

SWP-Studie. Afghanistans Drogenkarriere

GIZ: Drogen, Entwicklung und Gewalt

Mizzima: Drug „Cold War“ MP links opium crop rise to big construction projects – Seite nicht mehr aufrufbar

Aljazeera: Thousands displaced by Myanmar dam

DW: Illegale Goldminen lösen Koka-Anbau ab

Fox News Latino: Colombia’s New Cocaine: Blood Gold

InSightCrime: Is Colombia Again the World’s Top Cocaine Producer?

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